Kolumne aus 2025: Cineastin in der Warteschleife


Das Bild zeigt Sarah Mewes im Wind mit geschlossenen Augen und wehendem Haar. Sie trägt ein graues Shirt und ein schwarzes Halsband mit silbernem O-Ring. Unter dem runden Porträt steht in großen weißen Buchstaben auf schwarzem Hintergrund: „SARAH CRUMLEY KOLUMNE“.

Ich bin ein Filmblatt.
Ein echtes.
Ich liebe Kino. Die Dunkelheit. Den Duft von zu salzigem Popcorn. Den Moment, wenn das Licht ausgeht und die Welt sich verflüchtigt.

Schon als Kind war ich dem Science-Fiction-Genre verfallen.
Ich habe mit Raumschiffen geträumt, mit künstlichen Intelligenzen diskutiert und mich durch dystopische Endzeitwelten geschrien.
Star Trek.
Star Wars.
Resident Evil.
Final Destination.
Deadpool.
Ich liebe das alles.
Und manchmal sogar noch ein bisschen mehr, wenn es richtig schlecht gemacht ist – weil selbst dann noch Herz drinstecken kann.

Ich bin auch Serienjunkie.
Sex and the City, Suits, Navy CIS, Law & Order SVU.
Aber meine große Liebe?
Das Kino.
Oder besser gesagt: war es einmal.


Corona hat etwas mit mir gemacht.
Nicht nur gesundheitlich oder sozial.
Sondern filmisch.

Früher wäre ich nie auf die Idee gekommen, einen Marvel-Film nicht im Kino zu sehen.
Heute sitze ich auf dem Sofa und streame.
Ich bezahle auf Amazon für „Brave New World“ und „Thunderbolts“,
obwohl ich weiß, dass ich sie bald kostenlos auf Disney+ hätte schauen können.
Und dann sitze ich da –
und bin nicht enttäuscht vom Geld, sondern
enttäuscht von der Geschichte.


Ich bin müde geworden.
Müde von leeren Post-Credit-Szenen, die keine Anschlussfilme bekommen.
Müde von gehypten Universen, die keine Richtung mehr kennen.
Müde vom Gefühl, dass das Multiversum eigentlich nur eine Entschuldigung dafür ist,
dass keiner mehr weiß, wie man kohärente Erzählungen schreibt.

Ich liebe Marvel.
Ich liebe DC.
Aber ich fühle mich, als würde ich seit Jahren einem geliebten Menschen beim Vergessen zusehen.

Und Star Trek?
Oh Gott.
Das tut besonders weh.


Ich habe Paramount+ nur abonniert wegen Star Trek: Section 31.
Weil Michelle Yeoh eine Oscarpreisträgerin ist.
Weil ich gehofft habe, dass da endlich etwas Großes kommt.
Und was kam?

Nichts.
Ein Film, der mit Star Trek so viel zu tun hat wie ich mit der ISS-Raumstation.
Null Kontext, null Tiefe, null Hoffnung.
Nur Leere.
Nur Enttäuschung.


Und trotzdem – ich kann nicht aufhören.

Ich werde auch den nächsten Marvel-Film schauen,
auch wenn ich nicht mehr sicher bin, ob ich’s wirklich will oder nur muss.
Ich werde das nächste Star-Trek-Projekt starten,
auch wenn ich weiß, dass es mich wieder enttäuschen wird.
Ich bin keine Konsumentin.
Ich bin Teil der Welt.

Eine Cineastin, die trotz allem bleibt.
Die immer noch wissen will, wie’s weitergeht.
Weil sie nicht loslassen kann.
Weil sie hofft, dass irgendjemand in der Writers‘ Room-Galaxie
endlich wieder weiß, wie man Geschichten erzählt.


Vielleicht ist das die eigentliche Pointe:
Ich bin müde –
aber nicht bereit aufzugeben.

Ich bin enttäuscht –
aber nicht bereit, die Leinwand schwarz werden zu lassen.

Ich bin Sarah Crumley.
Und ich warte.
Auf das nächste Wunder in 2D.
Oder wenigstens auf einen Film, der mich wieder zum Weinen bringt.
Nicht, weil er schlecht ist.
Sondern, weil er mich erinnert,
warum ich mich mal verliebt habe –
ins Kino.


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