Kolumne aus 2025: Spock vs. Q – und warum ich Spock bin


Sarah Mewes steht vor beigem Hintergrund und blickt direkt in die Kamera. Sie trägt eine schwarze Brille, ein schwarzes Lederhalsband mit silbernem O-Ring, eine Jeansjacke und ein graues Shirt. Unterhalb ihres Oberkörpers steht in großen Buchstaben: „Sarah Crumley Kolumne“.

Es war einmal, in einer Zeit, als YouTube noch nicht TikTok war und Star Trek nicht ständig rebootet wurde, ein kleines Theaterstück, das die Herzen von Nerds und Denker:innen im Gleichschritt höherschlagen ließ: Spock vs. Q. Zwei Männer auf einer Bühne, keine Requisiten, nur Stühle und ihre Stimmen. Leonard Nimoy als Spock. John de Lancie als Q. Zwei Archetypen. Zwei Weltbilder.

Ein intellektueller Schlagabtausch, irgendwo zwischen Kabarett, Logikunterricht und galaktischer Philosophie.

Und ich?
Ich war damals schon tief drin im Star-Trek-Kosmos, aber dieses Stück – es traf etwas anderes. Etwas Persönliches.

Q, der trickreiche, überirdisch allmächtige Manipulator.
Spock, der stoische, analytische, rational durchdringende Geist.
Und dazwischen das Publikum – eingeladen, sich zu entscheiden, wem es folgen will.

Ich habe mich nie entscheiden müssen.
Ich war Spock.

Nicht weil ich vulkanische Logik perfekt beherrsche. Nicht weil ich emotionslos bin – Gott bewahre – sondern weil ich mich durch die Welt denke. Weil ich analysiere, sezieren, strukturieren muss, um sie zu verstehen. Weil ich mich zu kontrollieren gelernt habe – nicht aus Kälte, sondern aus Überleben.

Spock ist nicht kalt.
Er ist nicht unnahbar.
Er ist in einem permanenten Konflikt zwischen menschlichem Gefühl und vulkanischer Disziplin.
Und das, meine Liebe, ist meine tägliche Wirklichkeit.

Ich lebe in einer Welt, die zu laut ist, zu schnell, zu grell. Eine Welt, die mich oft nicht versteht, weil ich nicht in den Mustern spreche, in denen man sich Zustimmung zuwirft. Ich bin Sarah, ja. Ich bin eine Frau mit Geschichte. Mit Körper, mit Lust, mit Liebe. Aber ich bin eben auch ein System. Ein Denkraum. Ein Labor. Mein Gehirn hört nie auf, Hypothesen zu prüfen. Ich bin nicht intuitiv, ich bin iterativ.

Deshalb Spock.

Q wäre vielleicht charismatischer.
Q könnte mit einem Fingerschnippen jedes Problem lösen – oder wenigstens in eine absurde Lektion verwandeln.
Aber ich glaube nicht an den Trick. Ich glaube an den Prozess. An die unbestechliche Suche nach Wahrheit, auch wenn sie weh tut. Auch wenn sie einsam macht.

Und wenn Q dann vor mir steht – überheblich, verspielt, provokant –, dann lächle ich.
Nicht, weil ich beeindruckt wäre.
Sondern weil ich weiß, dass ich ihn überleben werde.

So wie Spock.
So wie ich.

Ich bin Spock.
Nicht weil ich keine Gefühle habe, sondern weil ich gelernt habe, sie zu halten, zu beobachten, zu analysieren.
Weil ich gelernt habe, zu bestehen, wo andere weglaufen.
Weil ich mir selbst treu bleibe, selbst wenn das bedeutet, gegen mich zu entscheiden.

„Logic is the beginning of wisdom… not the end.“ – sagt Spock einmal.

Und ich glaube, ich habe gerade begonnen, das zu begreifen.


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