Kolumne aus 2025: Liebes Tagebuch, diesmal bin ich verliebt – in eine Serie


Sarah Mewes steht vor beigem Hintergrund und blickt direkt in die Kamera. Sie trägt eine schwarze Brille, ein schwarzes Lederhalsband mit silbernem O-Ring, eine Jeansjacke und ein graues Shirt. Unterhalb ihres Oberkörpers steht in großen Buchstaben: „Sarah Crumley Kolumne“.

Ich glaube, ich bin verliebt.
Diesmal ist es kein Mann – es ist eine Serie.
And Just Like That.

Eigentlich ist das gar keine neue Liebe.
Ich hatte schon in den Neunzigern eine Affäre mit Carrie, Charlotte, Miranda und Samantha.
Damals, als alles noch Cosmopolitans, Spitzenschuhe und Sex auf dem Küchentisch war.
Und ich?
Ich war noch nicht mal Sarah.
Ich war bloß ein Mensch in einem Körper, der falsch lärmte und richtig fühlte.

Jetzt bin ich 55.
Sarah.
Und ich bin bei Folge drei der ersten Staffel des Reboots.
Mister Big ist tot – was für ein Auftakt.
Ich habe seine Beerdigung mitgetragen, Folge zwei, und mich plötzlich selbst auf der Empore der Verluste wiedergefunden.
Denn wie meine Mutter immer sagte:

„Irgendwann gehst du öfter auf Beerdigungen als auf Hochzeiten.“
Und verdammt, sie hat recht.
Drei Hochzeiten, drei Scheidungen.
Da bleibt nicht mehr viel Raum für Tüll.

Aber das ist nicht der Punkt.
Der Punkt ist, dass diese Serie, diese Frauen,
älter werden, wie ich.
Sie stolpern durch Themen, bei denen man genau merkt:
Da ist noch Luft nach oben – und genau deshalb fühlt es sich echt an.

White Privilege, Genderdiversität, queere Irritationen.
Es wird gestammelt, geschwitzt, gezuckt – aber es wird nicht weggelächelt.

Ich erkenne mich darin.
Nicht in den schicken Outfits, sondern in der Unbeholfenheit mit Haltung.
In der Frage, ob „sie“, „sey“ oder „wen“ nun das richtige Pronomen ist.
Ich war ehrlich genug, irgendwann einfach zu sagen:

„Ich habe nichts verstanden, aber wie soll ich dich ansprechen?“

Ich muss das nicht kapieren.
Ich muss es nur respektieren.
Das habe ich gelernt – durch meine eigene Transidentität.
Durch all die Male, in denen ich nicht verstanden wurde.
Durch das Wissen, dass Respekt manchmal einfach heißt: die Klappe halten und zuhören.


Ich werde oft als Präsenz beschrieben.
Wenn ich einen Raum betrete, ist das kein zarter Windstoß – es ist ein Wetterumschwung.
Ich weiß nicht, ob ich das mag.
Ich weiß nur, dass es stimmt.

Ich bin binär.
Trans – ja.
Aber nicht queer im identitätspolitischen Sinn.
Ich bin Frau.
Und ich will auch einfach mal nur das sein dürfen.

Ohne Bildungsauftrag.
Ohne Erklärzwang.
Ohne queeres Pick-Me-Girl oder konservativen Applaus.

Und trotzdem bleibe ich verbunden.
Mit all denen, die ringen, suchen, stolpern.
Mit den Carries, die alt werden, ohne alt zu sein.
Mit den Mirandas, die nochmal neu lieben lernen.
Mit den Charlottes, die sich tapfer an Haltung festklammern.
Und ja – sogar mit Samantha, irgendwo offscreen, immer noch laut.


Ich weiß nicht, wie die Staffel weitergeht.
Aber ich weiß, dass meine Staffel noch nicht vorbei ist.
Ich werde weiter hineinfühlen.
Und weiter lernen, wann man spricht –
und wann man einfach nur da ist.

And just like that… Sarah Crumley schaut weiter.


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