Was das Halsband heute bedeutet


Sarah Mewes lächelt freundlich in die Kamera. Sie hat langes schwarzes Haar, trägt eine schwarze Brille und ein schwarzes Lederchokerhalsband mit silbernem O-Ring sowie eine cremefarbene Bluse. Der Hintergrund ist warm-beige. Am unteren Bildrand steht in weißer Schrift auf dunklem Balken: „SARAH CRUMLEY KOLUMNE 2026".

Vor gut 15 Monaten habe ich einen Text geschrieben, der mich selbst überrascht hat – nicht wegen dem, was ich darin gesagt habe, sondern wegen der Resonanz, die er ausgelöst hat. „BDSM-Halsband als Symbol: Hingabe, Identität und Freiheit“ wurde der meistgelesene Beitrag auf dieser Seite. Ich habe lange darüber nachgedacht, warum.

Ich glaube, es liegt daran, dass er ehrlich war. Nicht mutig-performativ, sondern einfach wahr.

Und weil er wahr war, wollte ich heute nachschauen: Was stimmt noch? Was hat sich verändert? Was würde ich anders sagen?

Ich habe mich dafür interviewen lassen – von einer KI. Das klingt vielleicht seltsam, aber ich finde: So viel Ehrlichkeit muss sein. Und es hat funktioniert. Zehn Fragen, zehn ehrliche Antworten. Daraus ist diese Kolumne entstanden.


Trägst du das Halsband noch – und mit welcher Bedeutung?

Ja. Jeden Tag. Die Bedeutung ist gleich geblieben.

Ich mag die Enge am Hals. Das gibt mir das Gefühl, gehalten zu werden. Niemand hat es in diesen 15 Monaten wirklich thematisiert – außer einmal, kurz, im Bonner Hauptbahnhof. Ein neugieriger Mann, keine Aggression, nur Interesse. Ich habe es ihm erklärt. Es war ein kurzes Gespräch. Es war genug.

Und ich wünsche mir, dass es irgendwann jemand anderes anlegt – wenn die Zeit reif ist. Nicht weil ich darauf warte. Sondern weil ich weiß, dass dieser Moment kommen wird.


Wie gehst du mit der Wartezeit auf die OP innerlich um?

Ich bin momentan recht asexuell. Das sage ich ohne Scham und ohne Erklärungsdruck.

Ich warte auf meine feminisierende geschlechtsangleichende Operation im Mai 2027. Und das bedeutet für mich: Ich konzentriere meine Energie auf das, was danach kommt. Sex wäre möglich – das ist nicht das Problem. Aber ich bin noch nicht soweit, die Farbe von der Tapete zu reißen. Seit dem alten Artikel habe ich keine wirklich erfüllende Sexualität gehabt. Und ich habe entschieden: Vorher wäre zu viel Erklärung nötig. Diese Energie habe ich gerade nicht übrig.


Was war der Moment, der dich beim Speeddating hat aufhören lassen?

Eine Freundin hat mich aufgerüttelt. Sie fragte, ob die Männer in meiner Altersgruppe vielleicht weniger eine Partnerin suchen als eine Krankenschwester. Böse klingt das nur auf den ersten Blick. In Wirklichkeit war es Fürsorge. Und sie hatte recht.

Wenn eine Partnerin krank wird und Pflege braucht – das tue ich. Selbstverständlich. Aber ich muss mich nicht direkt von Anfang an in diese Richtung begeben.

Also habe ich das Speeddating bleiben lassen.


Wird es leichter oder schwerer, als trans Frau mit BDSM-Hintergrund gesehen zu werden?

Es gab einen Mann. Er hätte mich vom Fleck weg heiraten können. Aber er konnte mit BDSM nichts anfangen – und das war kein Vorwurf, sondern eine Tatsache. Irgendwann hat das Interesse auf seiner Seite nachgelassen. Er hat es mir direkt gesagt. Ich schätze das bis heute sehr. Wir sind befreundet, und diese Freundschaft ist mir viel wert.

Was ich gelernt habe: Eine Partnerin oder ein Partner muss kein BDSM leben wollen. Aber diese Person muss verstehen, dass es ein Teil von mir ist – und mich da nicht trennen wollen. BDSM ist keine Krankheit. Es ist Ausdruck einer sexuellen Neigung. Es braucht jemanden, der weiß, wo mein Herz ist – und der trotzdem akzeptiert, dass ich ab und an etwas anderes brauche.

Wer mich als Sub erleben will, muss in die entsprechenden Kreise vordringen. Aber auf BDSM-Partys habe ich eher das Gefühl, Menschen für den Moment zu treffen – nicht für das Leben. Und der Moment wäre mir zu wenig.


Was wird nach der OP möglich sein, was jetzt noch nicht möglich ist?

Ich sage das ganz offen: Nach der Operation ist der Penis weg. Wer untenrum hingreift, wird das ertasten, was eine Frau ausmacht. Das macht es leichter, beherzter auf Menschen zuzugehen – ohne ständig erklären zu müssen: bitte nicht anfassen. Meinen Penis benutze ich ausschließlich zum Wasserlassen. Sexuell spielt er überhaupt keine Rolle. Ich würde sprichwörtlich sofort trocken werden, wenn jemand es auch nur versucht.


Kennst du dich nach diesen 15 Monaten besser – oder hat sich das Bild verschoben?

Mit 56 Jahren habe ich ein ziemlich ausführliches Bild von mir. Das Bild hat sich nicht verschoben. Aber ich merke: Bei der Suche muss ich nicht mit 100 Prozent anfangen. 70, 80 Prozent – wenn die grünen Flaggen deutlich in der Mehrheit sind, kann ich schauen, wohin die Reise geht. Bisschen loslassen. Ohne mich selbst dabei zu verraten.


Wie fühlt sich das politische Klima für trans Menschen im Jahr 2026 an?

Was in den USA gerade geschieht, lässt mich nicht los – darüber habe ich in meiner Kolumne vom 1. April ausführlicher geschrieben. Für Deutschland sage ich: Ich befürworte, dass die Änderung des Geschlechtseintrags nach dem Selbstbestimmungsgesetz analog zum alten Transsexuellengesetz beim Geburtsstandesamt hinterlegt wird. Nicht als Liste, nicht als Kontrollinstrument – sondern als stiller, diskreter Datenpunkt, der im Ernstfall Klarheit schafft. So wie es früher funktioniert hat. Das wäre sinnvoll. Und es braucht keine neue Bürokratie.

Und dann möchte ich etwas revidieren, was ich damals geschrieben habe.

Damals habe ich mein Halsband auch als politisches Statement bezeichnet. Heute sehe ich das anders.

Als trans Frau bin ich allein durch meine Sichtbarkeit politisch. Ich rede. Ich trete auf. Ich bin Division Director. Ich gehe raus. Das ist, ob ich will oder nicht, ein Statement. Das braucht kein Halsband als Verstärker.

Das Halsband gehört nicht auf die politische Bühne. Es gehört zu mir – als Frau, als submissiver Mensch, als Individuum. Es ist intim. Es ist meins.


Gibst du dir die Erlaubnis zur Hingabe weiterhin?

Ja. Und ich möchte einen Satz zitieren, den ich einmal von jemandem gehört habe, der in dieser Welt zu Hause ist: Müssen dürfen.

Das Paradox steckt schon im Satz. Das Müssen kommt von innen. Es ist ein Wollen, das sich anfühlt wie eine Notwendigkeit. Das ist der Unterschied zwischen Hingabe und Zwang. Wenn es erzwungen wird, ist es keine Submission mehr – es ist Gewalt. Diese Erlaubnis gebe ich mir weiterhin. Jeden Tag. Auch ohne aktive Dynamik. Auch im Warten.


Was wäre der eine Satz, den du heute mitgeben möchtest?

BDSM geschieht auf Augenhöhe. Auch wenn es von außen anders aussieht.

Dominanz und Submission – das sind zwei Menschen, die gemeinsam etwas wollen. Die eine Person will dominieren. Die andere will sich hingeben. Das ist eine gemeinsame Entscheidung – keine einseitige. Wenn nur eine Seite entscheidet, funktioniert es nicht. Und wer sich dominant gibt, ohne Kommunikation, ohne Emotion, ohne Bereitschaft zur Anerkennung – den kann ich nicht als dominant anerkennen. Dann lasse ich es lieber bleiben.

An dich, die du das liest: Bist du bereit dazu, dass es für dich sein kann, was du dir eträumst? Bist du bereit, die Verantwortung dafür mitzutragen?

Das ist die einzige Frage, die zählt.


Das Halsband sitzt noch. Die Bedeutung ist geblieben.

Und ich bin bereit – für das, was kommt.

Sarah

(Dieses Interview wurde im März 2026 von einer KI geführt.)


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