Was bleibt, wenn ein Amtsjahr endet – Führung, Vertrauen und Teamarbeit bei Toastmasters


Screenshot des Abschlussmeetings der Toastmasters Division A mit Sebastian Vogt, Laura Thiessen, Nisal Hemadasa, Chandrima Pandit, Sarah Jessica Mewes und der nachträglich ergänzten Monika Domek.

Ein Amtsjahr endet selten mit einem einzigen großen Moment. Meist endet es mit einer letzten Liste, einer letzten Nachricht und einer letzten Aufgabe, die noch erledigt werden muss.

Bei uns war es die Frage, welche Clubs ihre neuen Vorstände bereits gemeldet hatten – und welche noch einmal freundlich erinnert werden mussten. Acht Clubs waren noch offen. Also gab es auch am Ende unseres gemeinsamen Jahres in der Division A des Toastmasters District 95 noch etwas Konkretes zu tun.

Und trotzdem war unser letztes Teammeeting mehr als ein Arbeitstreffen. Es war ein Moment zum Zurückblicken: auf ein Jahr, das nicht immer reibungslos war, aber gerade deshalb wertvoll wurde.

Wir mussten einander erst verstehen lernen

Wir kamen nicht als fertiges Team zusammen. Zwischen dem Norden und dem Westen unserer Division gab es unterschiedliche Clubkulturen, Kommunikationsstile und Vorstellungen davon, wie Toastmasters-Arbeit organisiert werden sollte.

Manche Menschen waren in Meetings sehr sichtbar. Andere arbeiteten stiller und meldeten sich vor allem dann, wenn ein Ergebnis vorlag. Manche Fragen kamen früh und sehr strukturiert. Bei anderen musste ich häufiger nachfragen, um zu erfahren, wo Unterstützung gebraucht wurde.

Ich musste lernen, diese Unterschiede nicht sofort zu bewerten.

Nisal Hemadasa beschrieb es sinngemäß so: Am Anfang müsse man erst die Farben und Arbeitsweisen der anderen verstehen. Danach werde Zusammenarbeit zu einer Frage des Vertrauens.

Genau das ist in diesem Jahr geschehen. Wir haben einander vertreten. Wir haben Fristen eingehalten. Wir sind eingesprungen, wenn es nötig war. Nicht alle arbeiteten auf dieselbe Weise – aber die Arbeit wurde erledigt.

Führung heißt nicht, ständig zu kontrollieren

Das Feedback meines Teams hat mich berührt, weil darin ein Führungsstil sichtbar wurde, den ich nicht theoretisch geplant hatte. Er ist im gemeinsamen Arbeiten entstanden.

Sebastian Vogt sagte, er sei positiv überrascht gewesen, wie organisiert und strukturiert ich gearbeitet habe. Besonders wichtig war ihm, dass ich erreichbar war, wenn er eine Antwort brauchte – und dass ich Dinge notfalls mehrmals erklärte.

Laura Thiessen erinnerte an die kulturellen Unterschiede zwischen Norden und Westen. Wir brauchten Zeit, um diese Unterschiede wirklich zu verstehen. Gerade daraus entstand aber ein Lernprozess. Sie hob hervor, dass ich mir bei Fragen und schwierigen Situationen rund um Clubs und Mitgliedschaften Zeit genommen habe.

Chandrima Pandit beschrieb mich als zugänglich und unterstützend. Bei ihrem ersten Club Officer Training und beim Area Contest habe ich Orientierung angeboten und Fragen beantwortet. Gleichzeitig wusste ich, dass ihre beruflichen Verpflichtungen viel Raum einnahmen. Ich wollte sie deshalb nicht unnötig drängen, sondern darauf vertrauen, dass sie ihre Aufgaben innerhalb der Fristen erledigen würde.

Nisal hatte von Anfang an deutlich gemacht, dass er nicht bei jedem Meeting sichtbar sein könne. Ich musste erst lernen, mit dieser Arbeitsweise umzugehen. Doch seine Haltung war klar: Vielleicht sieht man ihn nicht ständig – aber die erledigte Arbeit liegt am Ende auf dem Tisch.

Das tat sie.

Mein wichtigster „Moment of Truth“ aus diesem Jahr lautet deshalb:

Teamführung bedeutet zuzuhören, Geduld zu haben, Menschen ihre Aufgaben auf ihre eigene Weise erledigen zu lassen – und darauf zu vertrauen, dass die Ergebnisse kommen.

Was ich von meinem Team gelernt habe

Nisal Hemadasa

Nisal zeigte mir, dass Zuverlässigkeit nicht immer durch Anwesenheit sichtbar wird. Er hatte begrenzte Zeit, arbeitete selbstständig und lieferte Ergebnisse. Mein Lernprozess bestand darin, diese Form der Verlässlichkeit anzuerkennen und ihm den nötigen Raum zu geben.

Laura Thiessen

Laura war hervorragend vorbereitet und stellte fundierte Fragen. Dadurch konnte ich konkret antworten, etwas gezielt nachschlagen oder ihr einen passenden Hinweis geben. Unsere Art, Arbeit zu organisieren, war ähnlich – das machte vieles leicht.

Laura selbst nahm aus dem Jahr eine Erkenntnis mit, die weit über Toastmasters hinausreicht: Nicht alles muss perfekt sein. Entscheidend ist, dass eine Veranstaltung funktioniert, die Menschen zufrieden sind und die wesentlichen Aufgaben erledigt werden.

Sebastian Vogt

Bei Sebastian hatte ich anfangs Zweifel, ob die teilweise räumlich entfernte Leitung seiner Area funktionieren würde. Diese Zweifel haben sich nicht bestätigt.

Seine Club Visit Reports waren außerordentlich sorgfältig. Ihre Qualität wurde sogar auf District-Ebene wahrgenommen, und zwischen seinen ersten und zweiten Berichten war eine deutliche Weiterentwicklung erkennbar. Auch die Ergebnisse seiner Area waren stark – trotz eines neuen Berufs und der Herausforderung, seinen ersten eigenen Wettbewerb zu organisieren.

Chandrima Pandit

Bei Chandrima musste ich häufiger aktiv nachfragen, weil sie weniger von sich aus kommunizierte. Das war keine Kritik an ihrer Leistung. Es bedeutete lediglich, dass ich genauer prüfen musste, wo sie stand und welche Unterstützung sie brauchte.

Ihre Area war unter anderem durch die Situation bei Bayer Wuppertal besonders anspruchsvoll. Bei der Organisation des Club Officer Trainings und des Area Contests gab es Fehler und Missverständnisse. Dafür trage auch ich Verantwortung. Entscheidend ist für mich, dass wir die Probleme erkannt, die Aufgaben erledigt und Erfahrungen gesammelt haben, die wir an unsere Nachfolgerinnen und Nachfolger weitergeben können.

Monika Domek

Monika war bei unserem Abschlussmeeting im Urlaub und konnte deshalb nicht persönlich an der Feedbackrunde teilnehmen. Auf unserem Gruppenbild gehört sie trotzdem selbstverständlich dazu. Mein direktes Feedback an sie bespreche ich persönlich mit ihr – nicht stellvertretend in einem Text über ihre Abwesenheit.

Nicht perfekt – aber echt

Wir haben nicht alles erreicht, was ich mir zu Beginn des Amtsjahres vorgestellt hatte. Division A ist nicht überall so eng zusammengewachsen, wie ich es mir gewünscht hätte. Die Entfernungen sind groß, und regionale Unterschiede verschwinden nicht einfach, nur weil Menschen dasselbe Amt tragen.

Aber es entstanden persönliche Verbindungen. Wir lernten, unterschiedliche Arbeitsweisen auszuhalten und schließlich wertzuschätzen. Wir verstanden einander besser. Und wir entwickelten eine Zusammenarbeit, die nicht auf ständiger Kontrolle beruhte, sondern auf Vertrauen und Ergebnissen.

Das ist vielleicht weniger spektakulär als die Geschichte eines perfekten Bilderbuchteams. Für mich ist es wertvoller.

Was nach dem Amt bleibt

Auch nach dem Ende dieses Amtsjahres werden die Menschen aus unserem Team Toastmasters verbunden bleiben – nur auf unterschiedliche Weise.

Nisal möchte ohne feste Verpflichtung seinen Club und die neue Area-Leitung unterstützen. Laura nimmt nach fünf Jahren in Ämtern bewusst Abstand und möchte sich wieder stärker ihrem eigenen Pathway und ihrer Redefähigkeit widmen. Sebastian denkt darüber nach, Club Coach zu werden, und arbeitet an einer TEDx-ähnlichen Projektidee. Chandrima möchte im Hintergrund bei Clubgründungen, Community Building und vielleicht auch bei Sebastians Projekt helfen.

Und ich? Ich möchte ebenfalls im Hintergrund weiterwirken, unter anderem als Club Coach Lead. Gleichzeitig will ich bewusst weniger übernehmen und mehr Raum für meine persönlichen Vorhaben schaffen.

Unsere dienstliche WhatsApp-Gruppe wird geschlossen. Die persönliche Verbindung muss deshalb nicht enden.

Mein Fazit

Dieses Amtsjahr war nicht konfliktfrei, nicht vollkommen und nicht immer leicht. Es war ein Jahr, in dem sehr unterschiedliche Menschen lernten, einander zu verstehen.

Ich habe gelernt, dass Führung nicht bedeutet, immer die lauteste Stimme zu sein oder jeden Schritt zu kontrollieren. Führung kann heißen, erreichbar zu sein. Fragen ernst zu nehmen. Dinge ein zweites oder drittes Mal zu erklären. Unterstützung anzubieten, ohne Menschen die Verantwortung abzunehmen.

Und manchmal heißt Führung einfach, Vertrauen auszuhalten.

Mein Team hat geliefert.

Dafür bin ich dankbar.


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