Warum ich zurückkehren musste


Sarah Jessica Mewes steht am Kopf eines festlich gedeckten Tisches auf einer Veranda und spricht zu einer Runde sitzender Frauen im warmen Abendlicht – Sinnbild für Rückkehr in die Gemeinschaft und das Bedürfnis, dort zu sein, wo die Menschen sind.

Am 19. Januar 2025 habe ich einen Beitrag geschrieben, der den schönen, endgültigen Titel trug:

„Social Media gelöscht: Warum ich Meta-Plattformen verlasse“

Und ja, ich habe das damals genau so gemeint.

Nicht halb. Nicht eigentlich anders. Nicht „mal gucken“. Ich habe Meta-Plattformen verlassen, weil ich gute Gründe dafür hatte. Ich hatte Gründe, die mit Datenschutz zu tun hatten, mit politischer Haltung, mit Selbstschutz, mit Erschöpfung, mit dem Gefühl, dass diese Plattformen uns nicht guttun und trotzdem so tun, als seien sie der natürliche Mittelpunkt unseres digitalen Lebens.

Ich habe den Beitrag nicht geschrieben, weil ich dramatisch sein wollte. Ich habe ihn geschrieben, weil es für mich damals richtig war.

Und jetzt bin ich wieder da.

Machen wir uns nichts vor: Das ist erklärungsbedürftig.

Nicht, weil ich mich dafür schäme. Nicht, weil ich jetzt plötzlich den Meta-Konzern wunderschön finde. Nicht, weil Mark Zuckerberg heimlich in meinem Wohnzimmer saß und mich mit einem Blumenstrauß zurückgelockt hat.

Ich bin nicht zurückgekehrt, weil Meta harmloser geworden wäre.

Ich bin zurückgekehrt, weil Abwesenheit von diesen Plattformen inzwischen einen Preis hat, den ich nicht mehr zahlen will.

Die Menschen sind dort, wo sie sind

Man kann lange darüber reden, wie problematisch Meta ist. Und ich kann da sehr lange mitreden.

Wenn du etwas kostenlos benutzen darfst, dann bezahlst du sehr wahrscheinlich mit deinen Daten. Punkt.

Facebook, Instagram, WhatsApp — das sind keine niedlichen kleinen Nachbarschaftsprojekte. Das sind Konzernprodukte. Sie sammeln, sortieren, gewichten, lenken, verkaufen Aufmerksamkeit und schaffen Abhängigkeiten. Darüber brauchen wir gar nicht lange diskutieren.

Und trotzdem sind die Menschen dort.

Nicht alle. Nicht immer. Nicht ausschließlich. Aber genug.

WhatsApp ist längst nicht mehr nur „eine App“. Für viele Menschen ist WhatsApp die faktische Kommunikationsinfrastruktur. Familie, Freund:innen, Vereine, Gruppen, kurze Absprachen, Geburtstagsgrüße, Fotos, Vereinsorga, spontane Fragen, Statusmeldungen — alles landet dort.

Ich habe zwei Jahre lang neben WhatsApp auch Telegram und Signal mit mir herumgeschleppt. Und andere Menschen sind wieder woanders. Threema. Discord. Mastodon. Bluesky. Was auch immer gerade als bessere, sauberere, datenschutzfreundlichere oder coolere Alternative durchs digitale Dorf getrieben wird.

Und irgendwann sitzt man da und denkt:

Wieso seid ihr eigentlich nicht alle da, wo ihr sowieso alle seid?

Das ist keine datenschutzrechtlich kluge Frage. Das ist keine moralisch saubere Frage. Aber es ist eine praktische Frage.

Denn die Menschen sind halt da, wo sie sind.

Und wenn ich mit Menschen in Kontakt bleiben will, wenn ich gesehen werden will, wenn ich ansprechbar bleiben will, dann kann ich nicht dauerhaft so tun, als wäre diese Realität nicht vorhanden.

Nicht dabei zu sein, macht dich schnell zur Außenseiterin

Ich finde das furchtbar.

Wirklich.

Ich finde es furchtbar, dass man heute fast schon erklären muss, warum man bestimmte Plattformen nicht nutzt. „Wie, du hast kein Instagram?“ „Wie, du bist nicht bei Facebook?“ „Wie, du hast kein WhatsApp?“ Es klingt dann schnell so, als hätte man keinen Briefkasten, keine Telefonnummer oder keine Klingel an der Haustür.

Natürlich ist das übertrieben.

Aber es fühlt sich im Alltag oft nicht mehr übertrieben an.

Wer auf bestimmten Plattformen nicht erreichbar ist, ist nicht einfach nur konsequent. Sie ist manchmal auch nicht eingeladen. Nicht informiert. Nicht gesehen. Nicht mitgemeint.

Und genau da wurde mein alter Entschluss schwierig.

Ich wollte mich entziehen. Ich wollte Abstand. Ich wollte nicht ständig in diesem digitalen Grundrauschen stehen.

Aber irgendwann wurde aus Abstand auch Unsichtbarkeit.

Und Unsichtbarkeit ist für mich als trans Frau, als queere Person, als schreibender Mensch, als produzierender Mensch und als politischer Mensch keine neutrale Sache.

Sichtbarkeit ist keine Eitelkeit

Ich glaube, das ist ein zentraler Punkt.

Sichtbarkeit klingt schnell nach Ego. Nach „Guckt mal alle her“. Nach Selbstdarstellung.

Natürlich steckt Selbstdarstellung darin. Alles, was wir öffentlich tun, ist auch Selbstdarstellung. Ein Blog ist Selbstdarstellung. Ein Foto ist Selbstdarstellung. Ein Toastmasters-Auftritt ist Selbstdarstellung. Ein YouTube-Kanal ist Selbstdarstellung. Ein Album ist Selbstdarstellung. Dieser Beitrag hier ist Selbstdarstellung.

Aber Sichtbarkeit ist nicht nur Eitelkeit.

Sichtbarkeit ist auch: Ich bin da.

Sichtbarkeit ist: Es gibt mich.

Sichtbarkeit ist: Ich lasse mich nicht aus dem öffentlichen Raum drängen.

Und gerade in einer Zeit, in der rechte, autoritäre und menschenfeindliche Kräfte lauter werden, ist das für mich kein nebensächliches Thema.

Ich halte sehr wenig vom politischen Zustand der Vereinigten Staaten von Amerika in diesem Augenblick. Ich halte sehr wenig von Donald Trump. Ich halte ihn für gefährlich, menschenfeindlich, rassistisch, faschistisch geprägt und politisch verheerend. Ich habe Angst davor, dass aus den Vereinigten Staaten etwas wird, das sehr viel näher an Gilead liegt, als mir lieb sein kann.

Und ich habe Angst davor, dass so etwas zu uns herüberschwappt.

Wer jetzt denkt, das sei übertrieben, darf das gerne denken. Ich habe in den letzten Jahren zu viele Dinge erlebt, die vorher angeblich undenkbar waren.

Und natürlich schaue ich dann auch nach Deutschland.

Ich verstehe nicht, warum rechtsextreme Parteien überhaupt so weit kommen können. Ich verstehe nicht, wie Menschen glauben können, sie würden sich selbst etwas Gutes tun, wenn sie Parteien wählen, die am Ende auch an ihrem eigenen Ast sägen. Ich verstehe nicht, warum so viele Menschen glauben, Protestwahl sei ein harmloser Denkzettel, wenn sie dabei Kräften Macht geben, die Demokratie und Menschenrechte nicht als Fundament, sondern als Hindernis betrachten.

Ich habe meinen Kindern immer gesagt: Macht Politik, wenn ihr wollt. Beschäftigt euch. Streitet. Diskutiert. Geht meinetwegen in eine Partei, die ich persönlich für falsch halte. Aber verschreibt euch nichts Extremem. Weder rechts noch links. Extremismus bleibt Extremismus.

Der Unterschied ist nur: Wir haben in Deutschland gerade vor allem ein sehr konkretes Problem mit Rechtsextremismus. Und das macht mir Angst.

Und genau deshalb ist Öffentlichkeit wichtig.

Auch auf Plattformen, die ich problematisch finde.

Vielleicht gerade dort.

Ich will informieren, nicht dauernd unterhalten

Und jetzt kommt der nächste Widerspruch.

Ich bin also zurück auf Facebook. Zurück auf Instagram. Ich nutze WhatsApp ohnehin. Ich baue mir wieder Sichtbarkeit auf.

Und dann stelle ich fest:

Social Media funktioniert nicht mehr so, wie ich es gerne hätte.

Früher war Social Media wenigstens gefühlt noch ein Ort, an dem Menschen Dinge gezeigt haben. Hier ist meine Straße. Hier ist mein Essen. Hier ist mein Hund. Hier ist ein Gedanke. Hier ist ein Foto. Hier ist ein Text.

Heute ist sehr vieles Entertainment.

Nicht Information. Nicht Austausch. Nicht ruhiges Lesen. Entertainment.

Wenn du gesehen werden willst, musst du unterhalten.

Du musst in Reels passen. Du musst in Stories passen. Du musst schnell sein, knackig, hübsch, leicht konsumierbar. Du musst etwas liefern, das sofort ins Auge springt und am besten nach drei Sekunden noch einmal lauter „Hier!“ schreit.

Ich erzeuge auf Instagram vor allem Foto-Beiträge. Feed-Beiträge.

Ich finde es ehrlich gesagt immer noch merkwürdig, dass Menschen in Stories gehen und sich nur Stories anschauen. Oder nur Reels. Und den Feed einfach außen vor lassen. Für mich ist das immer noch ein bisschen so, als würde jemand eine Zeitung kaufen und dann nur die Werbebeilagen ansehen.

Aber gut. Die Plattformen haben sich verschoben. Die Nutzung hat sich verschoben. Die Menschen haben sich daran gewöhnt.

Und ich sitze da und denke:

Ich will nicht dauernd unterhalten.

Ich will informieren.

Ich will erzählen, einordnen, sichtbar machen. Ich will über Queerness schreiben, über trans* Themen, über sexuelle Gesundheit, über Politik, über Identität, über mein Leben, über Musik, über Toastmasters, über das, was ich wahrnehme und für wichtig halte.

Natürlich darf das unterhaltsam sein.

Ich bin ja nicht gegen Sprache. Ich bin nicht gegen Humor. Ich bin nicht gegen Pointen. Wer mich kennt, weiß: Ganz ohne Theater geht es bei mir sowieso nicht.

Aber ich will nicht aus jedem Gedanken ein kleines Varieté machen müssen, nur damit der Algorithmus gnädig nickt.

Toastmasters läuft. Der Rest eher nicht.

Was mich dabei besonders irritiert:

Toastmasters läuft.

Wenn ich über Toastmasters schreibe, kommt Resonanz. Das scheint meine Blase zu sein. Das ist schön, weil Toastmasters mir wichtig ist. Ich habe dort Aufgaben, Verantwortung, Menschen, Bühne, Struktur, Entwicklung, Gemeinschaft.

Aber wenn ich über queere Themen schreibe, über LGBTQ, über Pride, über sexuelle Gesundheit, über trans* Leben, über gesellschaftliche Fragen — dann wird es dünn.

Sehr dünn.

Ich habe zum Pride Month 2026 Beiträge auf Facebook und Instagram veröffentlicht. Themen, die ich wichtig finde. Themen, die mich betreffen. Themen, die eigentlich auch Menschen betreffen sollten, die mich kennen, mögen oder zumindest wahrnehmen.

Und dann kommen drei Likes. Oder irgendetwas in dieser Größenordnung.

Natürlich weiß ich nicht, wer den Beitrag wirklich gesehen hat. Ich weiß nicht, was die Plattform überhaupt ausgespielt hat. Ich weiß nicht, ob Menschen still gelesen haben. Ich weiß nicht, ob jemand berührt war und einfach nicht reagiert hat.

Deshalb will ich niemanden pauschal verurteilen.

Aber ich merke, was es mit mir macht.

Es macht etwas mit mir, wenn Toastmasters funktioniert und queere Sichtbarkeit versandet.

Es macht etwas mit mir, wenn sexuelle Gesundheit, Pride oder gesellschaftliche Themen kaum Reaktionen bekommen.

Es macht etwas mit mir, wenn ich das Gefühl habe, dass Menschen zwar gerne sagen „Ja, wichtig“, aber im konkreten Moment nicht einmal ein Herz, eine Umarmung oder eine geteilte Weitergabe übrig haben.

Und ja, ich weiß: Niemand schuldet mir Reaktionen.

Trotzdem darf ich sagen, dass ich es schwierig finde.

Der Daumen hoch ist kein Gefühl mehr

Früher war der Facebook-Daumen hoch das höchste der Gefühle.

Wir haben uns gefreut, wenn wir Likes bekommen haben. Ein Daumen hoch hieß: Gefällt mir. Ich habe es gesehen. Ich finde es gut. Irgendetwas in dieser Richtung.

Heute gibt es Herzen, Umarmungen, lachende Gesichter, traurige Gesichter, wütende Gesichter. Es gibt mehr Möglichkeiten, einem Beitrag eine Emotion mitzugeben.

Und trotzdem kommt oft nur der Daumen hoch.

Ich weiß, dass das nicht böse gemeint ist. Ich weiß, dass viele Menschen das einfach so machen. Aus Gewohnheit. Aus Bequemlichkeit. Aus digitalem Muskelgedächtnis.

Aber für mich bedeutet der reine Daumen hoch heute oft nicht mehr viel.

Er ist manchmal nur noch ein Lesezeichen.

„Zur Kenntnis genommen.“

Nicht: „Das hat mich berührt.“

Nicht: „Das unterstütze ich.“

Nicht: „Das finde ich wichtig.“

Nur: „Ich war da.“

Und ja, auch das ist etwas.

Ich will gar nicht so tun, als wäre es nichts. Wenn die üblichen Verdächtigen plötzlich nicht mehr reagieren würden, würde ich es vermissen. Natürlich. Weil auch diese kleinen Zeichen Dopaminfutter sind. Sie sagen mir: Du wirst wahrgenommen.

Aber irgendwann werden Dauerreaktionen auch schwierig.

Wenn jemand immer alles likt, ist das schön. Aber es ist auch ein bisschen wie eine Umfrage, bei der alle Kategorien immer dieselbe Punktzahl bekommen. Wenn überall fünf von fünf Punkten steht, weiß ich am Ende nicht mehr, was wirklich besonders war.

Und wenn überall nur ein Daumen hoch steht, weiß ich auch nicht mehr, ob da Zustimmung, Gewohnheit, Müdigkeit oder bloßes Scrollen dahintersteckt.

Mein Geliebter und die Nische

Mein Geliebter ist da ein interessanter Gegenpunkt.

Er schreibt tief. Sehr tief. Eigentlich macht er meiner Meinung nach nichts anderes. Er unterhält nicht im klassischen Sinne. Er betreibt keine leichte Nummer. Keine flotte Reels-Maschine. Keine dauergrinsende Social-Media-Show.

Und trotzdem hat er auf Facebook eine Nische mit über 5000 Follower:innen aufgebaut.

Ob die Menschen wirklich alles lesen, was er schreibt, weiß ich natürlich nicht. Wahrscheinlich nicht. Wer liest schon immer alles?

Aber er hat eine Nische.

Und ja, ich beneide ihn darum ein wenig.

Neidlos, aber nicht gefühllos.

Ich erkenne absolut an, was er dort tut. Ich sehe, dass er etwas kann, das ich so nicht mache. Nicht, weil ich es grundsätzlich nicht könnte. Sondern weil ich es nicht auf diese Weise will. Mir ist manches davon zu verkopft, zu sehr zehnmal um die Ecke, zu sehr ein eigenes literarisches System, in dem man wohnen muss, um alle Türen zu kennen.

Und gleichzeitig ist er mein fleißigster Follower.

Er würde bei mir nicht einfach einen Daumen hoch setzen, wenn ihm etwas nichts bedeutet. Wenn von ihm etwas kommt, dann ist das nicht egal. Das weiß ich.

Und genau deshalb merke ich auch, wie wertvoll echte Resonanz ist.

Nicht Masse. Echtheit.

Meine Musik, mein YouTube, mein Album — und die Stille

Dazu kommt noch etwas.

Ich habe mein YouTube aufgeräumt. Ich habe mit Suno AI alte Texte und Musikideen endlich produzieren können. Dinge, die teilweise seit zwanzig Jahren als Papier, Fragment, Idee oder innerer Klang herumlagen, konnten plötzlich Gestalt annehmen.

Ich habe ein Album veröffentlicht.

Nicht „mal eben ein Liedchen“. Ein Album.

Mit Konzept, Coverwelt, Texten, Links, Videos, Veröffentlichungen. Für mich ist das nicht klein. Für mich ist das ein Stück Lebensarbeit, das endlich hörbar geworden ist.

Und dann stelle ich fest:

Es interessiert kaum jemanden aus meinem Umfeld.

Natürlich sagen Menschen: „Ja, toll, schick mal den Link.“

Und dann?

Nichts.

Nicht einmal ein Daumen hoch.

Ich weiß, dass das hart klingt. Vielleicht auch beleidigt. Aber es ist eher traurig als beleidigt.

Weil es schade ist.

Es ist schade, wenn Menschen fragen, aber dann nicht hören. Es ist schade, wenn man etwas teilt, das einem wirklich etwas bedeutet, und es versandet. Es ist schade, wenn kreative Arbeit höflich wahrgenommen, aber nicht wirklich getragen wird.

Und ja, vielleicht bin ich in manchen Dingen einfach nicht gut genug. Das will ich gar nicht völlig ausschließen.

Vielleicht sind meine Instagram-Beiträge nicht geschickt genug. Vielleicht sind meine Musiklinks nicht klug genug eingebunden. Vielleicht ist mein Timing schlecht. Vielleicht ist meine Zielgruppe nicht dort, wo ich sende. Vielleicht bin ich zu textlastig. Vielleicht bin ich zu ungeduldig.

Kann alles sein.

Aber trotzdem bleibt die Frage:

Wenn Menschen, die mich kennen, Dinge von mir nicht einmal weitertragen, wie soll dann irgendetwas über meine kleine Blase hinauskommen?

Nach den Regeln spielen

Natürlich weiß ich, dass man für größere Sichtbarkeit nach den Regeln spielen muss.

Man muss regelmäßig posten. Man muss Plattformlogik verstehen. Man muss Reels machen. Stories machen. Call-to-Actions setzen. Menschen erinnern. Kanäle verbinden. Suchmaschinen bedienen. Titel optimieren. Texte strukturieren. Vorschaubilder bauen. YouTube verstehen. Instagram verstehen. Facebook verstehen. WordPress verstehen.

Man muss im Grunde dauernd sagen:

Folgt mir. Liked. Kommentiert. Teilt. Abonniert. Aktiviert die Glocke. Lasst ein Herz da. Macht das Plus weg. Folgt meiner Seite. Abonniert meinen Kanal. Schickt es weiter.

Und früher dachte ich bei Content-Creator:innen manchmal: Ja, ist gut, wir haben es verstanden.

Heute verstehe ich besser, warum sie es tun.

Weil es sonst nicht funktioniert.

Das Internet funktioniert nicht mehr wie früher. Social Media funktioniert nicht mehr wie früher. Ein Daumen hoch ist nicht mehr das höchste der Gefühle. Ein Like reicht oft nicht. Manchmal wird es nicht einmal nennenswert ausgespielt.

Teilen ist wichtiger.

Kommentieren ist wichtiger.

Folgen ist wichtiger.

Abonnieren ist wichtiger.

Und ja, das nervt.

Mich nervt es auch.

Aber wenn wir wollen, dass Inhalte nicht in der eigenen kleinen Ecke versickern, dann müssen sie weitergetragen werden.

Mein Blog wurde SEOffiziert

Ich habe am 24. Juni 2026 abgeschlossen, mein komplettes Blog nachträglich zu SEOffizieren.

Build SEO. Text SEO. Tech SEO.

Das hat ewig gedauert. Wirklich ewig.

SEO bedeutet Suchmaschinenoptimierung. Also der Versuch, Inhalte so aufzubereiten, dass Suchmaschinen sie besser verstehen, einordnen und anzeigen können. Titel, Beschreibungen, Struktur, technische Lesbarkeit, interne Verlinkung, Bildtexte, Ladezeiten und all dieser Kram, der niemandem romantisch vorkommt, aber darüber mitentscheidet, ob ein Text gefunden wird oder nicht.

Ich habe das gemacht, damit mein Blog wenigstens eine Chance auf Sichtbarkeit bekommt.

Denn wenn ich mich nicht auf Facebook, Instagram und Co. verlassen kann, dann muss wenigstens mein eigenes Haus ordentlich beschriftet sein.

Das Blog ist mein Haus.

Meta ist gemieteter Raum.

Und vielleicht ist genau das der Punkt:

Ich bin nicht zu Meta zurückgekehrt, weil ich dort wohnen will.

Ich bin zurückgekehrt, weil dort der Marktplatz ist.

Mein Zuhause bleibt mein Blog.

Vielleicht reicht Schrift allein nicht mehr

Trotzdem habe ich den Verdacht, dass das geschriebene Wort allein viele Menschen nicht mehr hinter dem Ofen hervorholt.

Das tut mir weh, weil ich vom geschriebenen Wort komme.

Ich denke schreibend. Ich sortiere schreibend. Ich erkenne mich schreibend. Mein Blog ist nicht nur ein Veröffentlichungsort, sondern auch ein Denkraum.

Aber vielleicht leben wir inzwischen stärker in einer Zeit von Podcasts, Sprachnachrichten, Audioformaten, Heimradio zum Mitnehmen.

Eine sehr gut bekannte Frau von mir hat einen Podcast gestartet, den ich gerade deshalb faszinierend finde, weil er nicht versucht, die Welt in endlosen Folgen zu erklären. Die Folgen sind kurz. Vielleicht drei Minuten. Ein Gedanke. Eine Beobachtung. Ein Impuls.

Und trotzdem kann so ein Gedanke Tiefe öffnen.

Der Podcast ist hier zu finden:

https://open.spotify.com/show/1xer6pE0SYkzOuoONoPZq6?si=7e6509b8420141f8

Vielleicht ist das ein Weg.

Nicht statt Blog.

Sondern zusätzlich.

Vielleicht wird es 2027 bei mir den gesprochenen WordPress-Beitrag geben. Den Blogbeitrag zum Lesen und dazu die gesprochene Fassung. Mein kleines Zuhause-Radio. Sarahs Heimradio. Ein Gedanke, ein Text, eine Stimme.

Wer weiß, wohin das führt.

Warum also zurück?

Warum bin ich zurück zu Meta?

Weil die Menschen dort sind.

Weil ich gesehen werden will.

Weil ich sichtbar bleiben muss.

Weil ich als trans Frau und queere Person nicht aus Öffentlichkeit verschwinden will.

Weil politische Zeiten nicht besser werden, wenn die Menschen, die etwas zu sagen haben, sich in stille, saubere Ecken zurückziehen.

Weil mein Blog zwar mein Zuhause ist, aber ein Zuhause ohne Wege dorthin kaum gefunden wird.

Weil Instagram, Facebook und WhatsApp problematisch sind, aber Öffentlichkeit oft aus problematischen Räumen besteht.

Weil ich keine Lust habe, mich unsichtbar zu machen, nur damit mein Gewissen sich für fünf Minuten sauberer fühlt.

Und weil ich verstanden habe, dass Rückzug manchmal konsequent ist — aber manchmal auch bedeutet, denen Platz zu machen, die laut genug sind, um den Raum zu übernehmen.

Ein Appell

Und jetzt kommt der Teil, den alle Content-Creator:innen ständig sagen und den ich inzwischen besser verstehe:

Wenn euch gefällt, was ich mache, folgt mir.

Nicht nur hier.

Folgt meinem Blog. Folgt meiner Facebook-Seite. Folgt mir auf Instagram. Abonniert meinen YouTube-Kanal. Hört in meine Musik rein. Schaut regelmäßig vorbei.

Und wenn euch etwas wirklich gefällt oder wenn ihr etwas wichtig findet, dann liked es nicht nur.

Teilt es.

Teilt den Beitrag auf Facebook. Teilt ihn in eurer Story. Schickt ihn weiter. Nutzt die Social-Media-Knöpfe unter dem Beitrag. Bringt ihn in andere Dunstkreise.

Denn wenn Informationen nicht weitergetragen werden, bleiben sie in der Blase stecken.

Und wenn alles in der Blase stecken bleibt, werden wir irgendwann gemeinsam dümmer.

Darauf habe ich keinen gesteigerten Wert.

Ich weiß, dass nicht jeder Beitrag angenehm ist. Nicht jeder Text ist Unterhaltung. Nicht jedes Thema ist leicht. Queere Themen, trans* Themen, sexuelle Gesundheit, politische Entwicklungen, gesellschaftliche Fragen — das ist nicht immer Feierabendberieselung.

Aber genau deshalb ist es wichtig.

Und ja, ganz unten gibt es auch wieder die Möglichkeit, mich über PayPal zu unterstützen.

Support your local dealer of Informationen.

Es ist mir eine Freude, euch mit Informationen zu unterhalten.

Auch dann, wenn meine Informationen nicht immer diejenigen sind, die euch unterhalten.

Ich bin zurückgekehrt.

Nicht, weil Meta gut ist.

Sondern weil Öffentlichkeit zählt.

Und Öffentlichkeit entsteht nicht dadurch, dass ich allein etwas veröffentliche.

Sie entsteht erst, wenn andere Menschen es weitertragen.


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