Hingabe darf bei mir niemals mit Naivität verwechselt werden.
Ich schreibe das so deutlich, weil Submission von außen oft aussieht wie: Eine Person befiehlt, die andere gehorcht, fertig. Als wäre das Ganze nur ein erotisches Machtspiel mit etwas Leder, etwas Halsband, etwas „Mach mal was Dominantes“.
Nein.
So einfach ist das nicht.
Ich bin submissiv. Sehr sogar. Ich trage den Ring der O. Ich trage mein Halsband. Nicht als modisches Accessoire, sondern als äußeres Zeichen eines inneren Wesenszuges. Stand 10.07.2026 trage ich mein Halsband für mich selbst. Ich befinde mich in keinem Herrschaftsverhältnis. Ich bin nicht vergeben. Ich gehöre niemandem.
Aber ich zeige: Da ist etwas in mir.
Eine Tür.
Nicht sperrangelweit offen. Aber sichtbar.
Und wer diese Tür sieht, sollte verstehen: Man tritt sie nicht ein.
Was mich anzieht
Mich ziehen keine lauten Menschen an.
Mich ziehen Menschen an, die ruhig sind. Klar. Präsent. Menschen, die mehr über mich erfahren wollen, ohne mich auszufragen wie bei einer Polizeikontrolle. Menschen, die bei der Gelegenheit auch etwas von sich erzählen, damit ich nicht jedes Fitzelchen Information aus ihnen herausziehen muss.
Ich muss wissen, auf welcher Spur ich mich bewege.
Das hat am Anfang noch gar nicht so viel damit zu tun, ob jemand „dominant“ ist. Dieses Wort wird im BDSM ohnehin viel zu oft benutzt, als wäre damit schon irgendetwas erklärt.
„Mach mal was Dominantes.“
Ja, super. Und was genau soll das sein?
BDSMer:innen kratzen sich bei solchen Sätzen nicht ohne Grund am Kopf. Dominanz sieht nicht immer gleich aus. Submission sieht auch nicht immer gleich aus. Die eine Dominanz ist ruhig und kühl. Die andere spielerisch. Die nächste fürsorglich streng. Die nächste hart, aber sauber. Und bei Submission ist es genauso.
Es gibt nur sehr wenig Objektives daran.
Vielleicht nur das:
Dominanz führt. Submission folgt.
Alles andere entsteht im Gespräch.
Nicht durch Behauptung. Nicht durch Gehabe. Nicht durch „Ich bin dominant, also knie“. Sondern dadurch, dass zwei Menschen herausfinden, ob ihre Art von Machtgefälle überhaupt zusammenpasst.
Wer mein Halsband versteht, fragt anders
Ich trage mein Halsband sichtbar. Ich trage meinen Ring der O sichtbar.
Wer mit BDSM nichts anfangen kann, fragt vielleicht: „Was bedeutet das?“ Oder: „Ist das Schmuck?“ Oder: „Warum trägst du das?“
Alles okay.
Eine dominante Person mit BDSM-Erfahrung fragt anders.
Zum Beispiel:
„Du trägst ein Halsband. Bist du in einem Herrschaftsverhältnis?“
Das ist eine andere Frage. Eine informierte Frage. Eine Frage, die zeigt: Da hat jemand verstanden, dass ein Halsband nicht automatisch bedeutet: frei verfügbar. Es kann Besitz anzeigen. Es kann Selbstverortung anzeigen. Es kann Ritual sein. Es kann Erinnerung sein. Es kann Schutz sein. Es kann Zeichen sein.
Bei mir ist es aktuell mein eigenes Zeichen.
Mein Halsband sagt nicht: Nimm mich.
Es sagt: Frag richtig.
Führung ist nicht Kontrollsucht
Führung geschieht.
Ich habe Menschen erlebt, die durch Blick, Haltung und Sprache keinen Zweifel daran ließen, dass sie eine Entscheidung tragen können. Nicht nur sexuell. Im Leben.
Ich nehme dafür gern Star Trek als Bild. Benjamin Sisko. Jean-Luc Picard. Kathryn Janeway. Captains, die sich Meinungen anhören. Die ihre Offizier:innen ernst nehmen. Die Entscheidungen vorbereiten. Manchmal fast demokratisch.
Aber wenn der Moment da ist, entscheiden sie.
Und wenn es dringend ist, wird nicht gefragt. Dann wird befohlen.
Das finde ich schön.
Und ja, ich finde das sexy.
Nicht, weil jemand über mich hinweggeht. Sondern weil ich spüre: Da ist Struktur. Da ist Verantwortung. Da ist jemand, der führen kann, ohne sich daran aufzugeilen, dass andere kleiner werden.
Kontrollsucht ist etwas anderes.
Kontrollsucht sagt:
„Ich muss immer wissen, wo du bist.“
„Du musst immer ans Telefon gehen.“
„Ich muss jederzeit wissen, was du machst.“
„Ich bestimme über dein Geld, deine Zeit, deine Kontakte, deinen Alltag — weil ich das eben will.“
Nein.
Das ist für mich keine Dominanz. Das ist Besitzgehabe mit Sendungsbewusstsein.
Natürlich gibt es Menschen, für die Kontrolle ein Kink ist. Das ist völlig legitim, wenn es ausgehandelt ist. Aber ich habe diesen Kink nicht einfach so. Wenn mich jemand kontrollieren möchte, brauche ich einen Sinn dahinter.
Wenn eine Partnerperson merkt, dass ich zu viel Zeit am Computer verbringe und mein Haushalt darunter leidet, dann kann eine klare Anweisung Sinn ergeben. Zum Beispiel: Jeden Tag von zehn bis elf machst du Hausarbeit.
Damit kann ich leben.
Nicht, weil ich kontrolliert werden will, sondern weil es mich besser macht. Weil ich selbst etwas davon habe. Weil mein Alltag dadurch stabiler wird. Weil die Wohnung dann nicht aussieht wie Sau und ich mich selbst weniger darüber ärgere.
Führung baut auf.
Kontrollsucht nimmt nur Raum.
Ich bin nicht naiv, nur weil ich mich hingeben will
Ich bin recht bewandert in den Grundzügen des BDSM.
Ich stehe auf Erotic Power Exchange. Sehr. Ich würde sagen: Im EPE bin ich zu 95 Prozent zu Hause. Ich bin eine gut trainierte Lustsklavin. Man muss mich nicht erst grundsätzlich davon überzeugen, dass Macht, Begehren, Benutzung, Vorführung, Demütigung und erotische Verfügbarkeit mich reizen können.
Aber genau deshalb bin ich nicht automatisch verfügbar.
Nur weil ich viel kann, darf nicht jede:r viel.
Nur weil ich einen weiten Rahmen habe, ist niemand eingeladen, mit Anlauf hineinzuspringen.
Dominanz muss sich ihre Dominanz erst verdienen.
So wie ich mich durch mein Verhalten, meine Offenheit und meine Verlässlichkeit ebenfalls bewerbe. Nicht im Sinne eines Bewerbungsbogens. Sondern im Sinne von: Wir prüfen einander. Wir umwerben einander. Wir probieren aus. Wir lernen, ob das Machtgefälle trägt.
Dieses fast blinde Vertrauen entsteht nicht nach zwei Wochen.
Und wer glaubt, er könne sagen: „Du hast doch schon dies und das gemacht, dann machen wir übermorgen dies und das“, hat BDSM nicht verstanden.
Ein weiter Rahmen ist kein Freifahrtschein.
Forderung darf hart sein – aber nicht hohl
Ich habe nichts gegen Druck.
Ich habe nichts dagegen, gegen mein eigenes Ego zu arbeiten. Ich habe auch nichts dagegen, im Rahmen des Erotic Power Exchange gedemütigt, erniedrigt oder herabgewürdigt zu werden.
Im Gegenteil.
Das kann mich kicken. Das kann mich öffnen. Das kann mich resilienter machen. Ich habe durch BDSM Dinge gelernt, die mir auch im Alltag helfen. Nicht jedes dumme Wort trifft mich noch. Nicht jede Wortmeldung aus der Abteilung „große Meinung, kleine Selbstkontrolle“ bringt mich aus der Fassung.
Aber Forderung braucht Hand und Fuß.
Wenn jemand etwas von mir erwartet, muss es in den gemeinsamen Rahmen passen. Es muss auf etwas beruhen. Auf Gespräch. Auf Wissen. Auf Erfahrung. Auf Verantwortung.
Einfach nur „Ich will das jetzt“ reicht nicht.
Das ist keine Dominanz. Das ist Ego.
Und Ego ist billig.
Mein Trans-Hintergrund ist keine Challenge
Wenn ich mir eine dominante Person malen könnte, dann wäre mein Trans-Hintergrund für sie kein großes Ding.
Ich bin eine Frau. Punkt.
Ich habe einen Trans-Hintergrund. Ja. Aber ich möchte für niemanden eine Übung sein. Keine Herausforderung. Keine Mutprobe. Keine „Ich wollte schon immer mal wissen, wie das ist“-Nummer.
Wenn ich merke, dass im Kopf meines Gegenübers ständig herumspukt: „Sie war ja mal ein Mann“ oder „Da war ja mal ein Penis“, dann bin ich raus.
Ich will nicht spüren, dass sich jemand überwinden muss, mit mir etwas zu wollen.
Ich will nicht die Wette sein, die jemand verloren hat.
Ich will nicht der Fetisch sein, mit dem sich jemand selbst beweist, wie offen er angeblich ist.
Wer mir auf partnerschaftlicher Ebene eine respektvolle Frage stellt, bekommt eine Antwort. Aber diese Person ist dann auch verantwortlich dafür, was sie mit meiner Antwort macht.
2026 ist für mich das Jahr großer körperlicher Veränderung. Im August findet meine genitalfeminisierende Operation statt. Danach muss ich meinen Körper neu kennenlernen. Nicht nur sexuell. Ganz praktisch. Toilette. Rasur. Empfindlichkeit. Heilung. Alltag. Hormone. Selbstberührung. Alles.
Darum beginnt Dating für mich im eigentlichen Sinne erst 2027 wieder.
Ich muss erst in meinem eigenen Körper ankommen.
Und wenn ich dann date, dann date ich als Frau.
Nicht als medizinisches Projekt.
Nicht als Trans-Erklärbärin.
Nicht als OP-Besichtigungsobjekt.
Im Schlafzimmer hat mein Trans-Hintergrund keine Rolle zu spielen. Null. Keine Slurs. Keine Herabwürdigung, die auf meine Geschichte zielt. Keine „besondere“ Fantasie daraus machen.
Ich darf als Frau gedemütigt werden, wenn der Rahmen stimmt.
Aber ich werde nicht als trans Frau entwertet.
Das ist keine Diskussion.
Sicherheit ist nicht Spielverderberei
Sicherheit ist nicht der langweilige Teil vor dem Spaß.
Sicherheit ist der Grund, warum ich mich überhaupt fallen lassen kann.
Ich mag Handschellen. Mehr als Seilbondage, zumindest bisher. Ich bin neugierig auf Seile, ja. Aber bloßes Gefesseltsein reicht mir nicht. Wenn ich über Sicherheit rede, denke ich sofort weiter.
Was ist, wenn ich gefesselt bin, geknebelt, irgendwo fixiert — und mein Gegenüber bricht plötzlich zusammen?
Was ist, wenn die dominante Person medizinische Hilfe braucht?
Was ist, wenn ich an kein Handy komme?
Was ist, wenn ich mich nicht selbst befreien kann?
Das klingt unsexy. Ist es aber nicht.
Für mich ist das Erotik mit eingeschaltetem Gehirn.
Sicherheit bedeutet: Ich muss wissen, wie ich mich im Notfall befreien kann. Es braucht klare Signale. Ein Safeword. Ersatzsignale, wenn ich nicht sprechen kann. Eine Vereinbarung, dass ein Stoppsignal nicht bestraft wird. Und eine dominante Person, die versteht, dass ein Stop nicht die eigene Ehre kränkt.
BDSM ist Spaß.
Aber BDSM ist auch ernst.
Wer das nicht versteht, sollte die Finger davon lassen.
Nach der Szene ist nicht einfach alles egal
Eine Szene endet nicht damit, dass irgendwer fertig ist.
Danach braucht es Beziehungsebene. Zuneigung. Aufmerksamkeit. Manöverkritik.
Und nein, damit meine ich nicht zwingend romantisches Kerzenlicht und Kuscheldecke. Ich meine: Wir reden ehrlich darüber, was passiert ist.
Was war gut?
Was war zu viel?
Wo war ich stolz und hätte früher stoppen müssen?
Wo hat mein Gegenüber mich richtig gelesen?
Wo nicht?
Ich glaube nicht an perfekte Szenen. Ich glaube an Menschen, die aus Szenen lernen.
Dominant-submissive Beziehungen finden auf mehreren Ebenen statt. Da ist das Machtgefälle. Da ist die erotische Dynamik. Da ist Spiel. Da ist Ernst. Aber darunter muss eine Beziehungsebene liegen. Damit meine ich nicht automatisch Ehe, gemeinsame Wohnung oder „Komm mit zu meiner Mutter“.
Ich meine: Da ist Zuneigung.
Im Idealfall Liebe.
Ich biete eine submissive Trefferfläche an. Dafür möchte ich geliebt werden. Die dominante Person zeigt Dominanz. Dafür liebe ich sie. Das ist der Idealfall.
Ohne diese Ebene wird BDSM schnell hässlich.
Und ich habe kein Interesse daran, einem misogynen Arschloch in die Hände zu fallen.
Verantwortung heißt: mich nicht überfahren
Eine verantwortliche dominante Person spricht am Anfang viel.
Nicht totanalysieren. Nicht alles zerreden. Aber reden.
Und dann kleinteilig ausprobieren.
Wie reagiere ich auf bestimmte Berührungen? Auf bestimmte Worte? Auf Nacktheit? Auf Befehlston? Auf Strenge? Auf Vorführung? Auf Scham? Auf Kontrolle? Auf Lob?
Ich mag zum Beispiel sehr, wenn die dominante Person angezogen bleibt, während ich nackt bin.
Ja, das ist ein persönliches Bild. Vielleicht sogar ein Vorurteil. Aber für mich hat das Kraft. Ich habe in einer dominant-submissiven Szene keinen Anspruch auf den nackten Körper meines Gegenübers.
Das ist für mich Teil des Machtgefälles.
Und wenn eine dominante Person das versteht, respektiert oder sogar genießt, dann wird es interessant.
Verantwortung bedeutet aber auch: nicht gleich den Halbmarathon laufen, nur weil ich einen Schritt gehen kann.
Eine gute dominante Person führt mich weiter, als ich allein gehen würde.
Aber nicht blind. Nicht gierig. Nicht aus Prinzip.
Sie muss mich lesen lernen. Auch dann, wenn ich nichts sage. Vielleicht gerade dann.
Es gibt diesen Satz, dass dominante Menschen submissive Menschen lesen können müssen. Ich glaube, da ist etwas dran. Eine verantwortliche dominante Person merkt, wenn eigentlich langsam ein Safeword kommen müsste, ich aber zu stolz bin, es zu werfen.
Und dann hört sie auf.
Auch wenn ich meckere.
Auch wenn ich innerlich noch weiter will.
Weil sie Verantwortung nicht mit Rechthaben verwechselt.
Gefährlich attraktiv ist Aufmerksamkeit
Gefährlich attraktiv sind für mich Menschen, die mich befragen, ohne mich auszuhorchen.
Menschen, die zuhören und im Kopf einen Rahmen abstecken. Menschen, die sich merken, was ich gesagt habe. Und mich später genau an einem Punkt erwischen, der innerhalb dieses Rahmens liegt.
Wenn ich zum Beispiel andeute, dass Bekleidung und Regeln für mich eine Rolle spielen, und mein Gegenüber kommt später beiläufig auf eine konkrete Regel zurück, dann trifft mich das.
Nicht plump.
Nicht mit „Ich bin jetzt dominant“.
Sondern mit einem Satz, der zeigt: Ich habe zugehört.
Das ist gefährlich attraktiv.
Weil die submissive Fachkraft manchmal vorsichtig sein muss mit dem, was sie möchte. Es könnte passieren, dass die dominante Fachkraft genau diesen Knopf findet.
Ich bin keine Brat.
Ich kämpfe nicht um die Macht.
Ich gebe sie ab. Freiwillig. Selbstbestimmt. Selbstbewusst. Als feministische Entscheidung für ein Liebesleben, das zu mir passt.
Und wenn ich vorher einen Rahmen geöffnet habe, dann kann es mich kalt erwischen, wenn jemand darin plötzlich einen Wunsch äußert.
Nicht vor allen Menschen. Nicht ohne Sinn. Nicht so, dass ich mein komplettes Gesicht verliere.
Aber genau so, dass ich merke: Jetzt wird es ernst.
Dann wird mir warm ums Herz.
Und ja, genau solche Offenbarungen gehören in diesen Blog. Er ist persönlich. Also darf er auch persönlich sein.
Ich will nicht die Produktionsleiterin meines eigenen Pornofilms sein
Ich bin Exhibitionistin.
Das ist keine Metapher.
Ich möchte präsentiert werden. Vorgezeigt. Beobachtet. In sicheren Räumen. In passenden Öffentlichkeiten. Pornokinos, BDSM-Clubs, Orte mit erwachsenen Menschen und klarer Einordnung. Nicht Spielplatz nachts um drei. Nicht Unbeteiligte hineinziehen. Nicht verantwortungslos.
Zu einer Exhibitionistin gehört für mich ein genießender Voyeur.
Und wenn meine Partnerperson mich in Szenen bringt, in denen andere Menschen anwesend sind, dann macht ihre Anwesenheit das Ganze für mich sicher. Sie ist mein Anker. Sie sieht mich. Sie genießt mich. Sie schützt mich.
Ich möchte nicht nebenbei mitbekommen müssen, ob jemand Fotos macht. Ob jemand filmt. Ob Grenzen überschritten werden. Ob Daten fehlen. Ob Absprachen eingehalten werden.
Wenn Bilder, Videos oder ein Format wie OnlyFans irgendwann Thema wären, dann wäre das nicht automatisch ein Problem. Aber dann gehört da verdammt viel Organisation, Datenschutz, Absprache und Verantwortung dazu.
Und genau das meine ich, wenn ich sage:
Ich will nicht die Produktionsleiterin meines eigenen Pornofilmes sein, dessen Hauptdarstellerin ich bin.
Ich bin beteiligt.
Aber ich will nicht alles planen, absichern, koordinieren und dann auch noch diejenige sein, die sich fallen lässt.
Das ist nicht mein Kink.
Wenn eine dominante Person mit mir plant, dann darf sie planen. Sogar gern ohne mir alles zu verraten.
„Halt dir das Wochenende frei.“
„Verplane den Abend nicht.“
„Ich habe etwas vor.“
Das reicht mir.
Aber mein Alltag zählt trotzdem. Meine Termine zählen. Mein Leben zählt. Wer alles kaputtorganisiert, nur weil er gerade eine Idee hat, führt nicht. Er überfährt.
Und überfahren werden möchte ich nicht.
Begehren ist kein Anspruch
Wenn ich nicht in einer Beziehung bin, bin ich eine polygame Person.
Ich kann mehrere Menschen daten. Ich kann mit mehreren Menschen Sex haben. Das ist für mich kein Problem, solange keine verbindliche Beziehung besteht.
Wenn ich mich aber entschieden habe, werde ich schrecklich monogam.
Trotzdem verschwindet meine polygame Seite nicht einfach. Sie bleibt Teil meines Begehrens. Und im Erotic Power Exchange kann genau das eine Rolle spielen.
Eine dominante Person, die zu mir passt, muss damit umgehen können.
Nicht, indem sie daraus sofort einen Anspruch macht.
Nicht, indem sie glaubt, sie dürfe jetzt jederzeit alles mit mir veranstalten.
Sondern indem sie versteht: Mein Begehren ist ein Material. Etwas, womit man arbeiten kann. Etwas, das geführt werden kann. Aber nicht etwas, das man plündert.
Ich möchte nicht jedes Wochenende Gruppensex mit zehn Menschen. Darum geht es nicht.
Es geht darum, dass jemand mein Kopfkino versteht, ohne es sofort stumpf abzuarbeiten.
Manches bleibt Kopfkino.
Manches kann Wirklichkeit werden.
Und manches muss erst im Gespräch überhaupt Form bekommen.
„Ich würde alles tun“ ist meistens gelogen
Ich möchte gerade submissiven Fachkräften etwas mitgeben, besonders denen, die neu nachrücken und sich BDSM aus 15-Sekunden-TikToks, Pornos oder Streaming-Fantasien zusammenbauen:
Sagt nicht „Ich würde alles tun“, wenn Ihr Euch nicht kennt.
„Alles“ ist ein großes Wort.
Meistens ist es gelogen.
Ich kenne diesen Satz aus meiner früheren Sexarbeit. Jemand sagte: „Ich würde alles für Sie tun.“ Dann habe ich sehr schnell deutlich gemacht, dass „alles“ auch wirklich alles heißen könnte. Und plötzlich kam: „Ja, nee, das habe ich nicht gemeint.“
Ja. Eben.
Dann sag es nicht.
Das war kein Drama. Im Gegenteil. Danach begann ein ehrliches Gespräch. Und auf Basis dessen wurde es dann gut.
Genau darum geht es.
Nicht großspurig sein. Nicht performen. Nicht die härteste Fantasie auf den Tisch werfen, nur weil sie im Kopfkino funktioniert. Sondern ehrlich sein.
Was kickt mich wirklich?
Was bleibt lieber Fantasie?
Wer taucht in meinem Kopfkino auf?
Welche Rolle will ich wirklich einnehmen?
Welche Rolle macht mich nur beim Masturbieren heiß, aber wäre real zu viel?
Das sind keine Prüfungsfragen.
Das sind Grundlagen.
Dominanz ist nicht: Es geht nur um dich
An dominante Fachkräfte gerichtet:
Wenn du glaubst, es gehe in dominant-submissiven Beziehungen nur um dich und deine Gelüste, liegst du falsch.
Ja, von außen kann es so aussehen. Eine Person befiehlt. Eine andere folgt. Eine Person benutzt. Eine andere wird benutzt.
Aber darunter liegt Augenhöhe.
Immer.
BDSM beginnt auf Augenhöhe, bevor das Machtgefälle betreten wird. Und diese Augenhöhe verschwindet nicht, nur weil innerhalb der Szene nicht mehr diskutiert wird.
Sie bleibt der Boden.
Ohne diesen Boden wird Dominanz zu Ego. Und Ego kann ich mir auch im Baumarkt kaufen. Das beeindruckt mich nicht.
Eine dominante Person muss genießen können, was ich gebe. Aber sie muss auch dankbar dafür sein. Nicht unterwürfig dankbar. Nicht kitschig. Sondern im Bewusstsein: Diese Frau ermöglicht mir etwas. Diese Frau öffnet sich. Diese Frau schenkt mir Zugriff auf etwas, das nicht selbstverständlich ist.
Ich möchte mich dadurch nicht weniger wert fühlen.
Ich möchte mich mehr wert fühlen.
Ich möchte geliebt, gesehen, getragen und gehalten werden. Und ja: Ein ernst gemeintes „gutes Mädchen“ kann für mich mehr bedeuten als ein dahingesagtes „Ich liebe dich“.
Aber es muss ernst gemeint sein.
Nicht aus der Pornoschublade gezogen.
Nicht als billiger Knopf.
Sondern als Anerkennung.
Ich möchte ins Gespräch kommen
Dieser Beitrag ist keine Warnung.
Er ist auch keine Einladung im Sinne von: Bitte bewerbt Euch jetzt bei mir.
Er ist kein Bewerbungsbogen für dominante Menschen.
Er ist ein Gesprächsangebot.
Ich möchte, dass Menschen verstehen, wie ich ticke. Ich möchte, dass submissive Menschen sich selbst ernster nehmen. Ich möchte, dass dominante Menschen verstehen, dass Verantwortung nicht der unsexy Teil von BDSM ist, sondern die Bedingung dafür, dass Hingabe überhaupt schön werden kann.
Wer mir begegnen möchte, darf das gern mit Respekt tun.
Nicht mit:
„Hi, ich bin dominant und ich will’s dir besorgen.“
Das ist Müll. Das lösche ich.
Aber ein Schreiben, das zeigt, dass jemand gelesen hat, was ich schreibe? Eine informierte Frage? Ein Gedanke? Ein „Ich habe das so verstanden, stimmt das?“ Eine ehrliche Auseinandersetzung?
Damit kann ein Gespräch beginnen.
Vielleicht bleibt es bei einem Gespräch.
Vielleicht wird mehr daraus.
Keine Ahnung.
Aber Dominanz und Submission beginnen für mich genau dort: bei Respekt.
Nicht beim Knien.
Nicht beim Befehl.
Nicht beim Porno im Kopf.
Sondern bei der Frage, ob zwei Menschen sich wirklich sehen.
Meine Grenze
Ich bin bereit, mich hinzugeben.
Aber nicht, mich erklären, retten oder verwerten zu lassen.
Ich bin bereit, geführt zu werden.
Aber nicht von Menschen, die Führung mit Kontrollsucht verwechseln.
Ich bin bereit, benutzt zu werden, wenn der Rahmen stimmt.
Aber nicht von Menschen, die mich nicht sehen.
Ich bin bereit, viel zu geben.
Aber nicht an Menschen, die glauben, mein Begehren mache mich automatisch verfügbar.
Hingabe beginnt nicht beim Knien.
Sie beginnt bei Vertrauen.

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