Die Geliebte – Polygamie


Sarah Jessica Mewes steht im burgunderroten Samtkleid auf einer Dachterrasse über Köln, mit schwarzer Brille und schwarzem Halsband vor Dom, Rhein und Abendhimmel.

Sarah Jessica Mewes steht allein auf einer Kölner Dachterrasse, burgunderfarbenes Samtkleid mit Beinschlitz, schwarzes Halsband, Kölner Dom und Rhein im Abendhimmel dahinter.

1. Am Anfang war ich allein

Ich war allein, und das ist in diesem Text wichtig. Nicht verlassen, nicht hilflos, nicht auf der Suche nach einem Retter, sondern frei. Ich hatte niemandem Treue versprochen und niemandem Exklusivität zugesagt. Genau aus dieser Freiheit heraus begann der Gedanke, ob ich Geliebte sein könnte — vielleicht sogar mehr als einmal.

2. Die Geliebte ist keine Nebenfigur in meinem eigenen Leben

Wenn ich von der Geliebten spreche, meine ich nicht die traurige Frau im Wartesaal eines fremden Lebens. Ich meine eine Frau, die weiß, worauf sie sich einlässt, und trotzdem begehrt werden will. Ein gebundener Mann bringt seine Ehe, seine Pflichten und seine Heimlichkeit mit. Aber wenn er bei mir ist, will ich nicht Restzeit sein, sondern gemeint.


Sarah Jessica Mewes steht mit Konrad auf einer Dachterrasse über Köln. Beide blicken ruhig in die Kamera; im Hintergrund liegen Dom, Rhein und Stadt im Abendlicht.

3. Dann kam Konrad

Konrad war der erste Mann, bei dem aus Theorie plötzlich Möglichkeit wurde. Er schrieb gut, reagierte auf mich, auf meine Offenheit, auf meine Bilder, auf meine direkte Art. In meinem Kopf wurde aus einem Profil ein Mann mit Körper, Stimme, Begehren und Gefahr. Ich hatte ihn nie gesehen, aber ich war beteiligt.

4. Schrift kann verführen

Man muss einen Menschen nicht gesehen haben, um auf ihn zu reagieren. Im Online-Dating entsteht viel über Worte: Rhythmus, Mut, Fantasie, Aufmerksamkeit, Ton. Konrad hatte für mich etwas von einem wilden Stier oder Hengst. Genau das hat mich gereizt — und genau deshalb fiel es mir leicht, ihm das rote Tuch hinzuhalten.


Sarah Jessica Mewes steht zwischen Jakob und Konrad auf einer Dachterrasse über Köln. Die drei wirken vertraut und posieren vor Dom, Rhein und Abendhimmel.

5. Dann kam Jakob

Jakob kam später, aber anders. Weniger Sturm, mehr Gespräch. Weniger sofortige erotische Wucht, mehr Wärme, Nähe, Alltag, kleine Zeichen von Verlässlichkeit. Er schrieb nicht nur über Begehren, sondern fragte nach meinem Beruf, meinem Leben, meinem Tag — und er meldete sich auch dann kurz, wenn er eigentlich keine Zeit hatte.

6. Für einen Moment waren es zwei

Für einen Moment stand die Möglichkeit im Raum, dass ich zwei Männer daten könnte. Zwei gebundene Männer, zwei getrennte Räume, zwei verschiedene Arten von Begehren. Der Gedanke war nicht nur kompliziert, sondern auch fabelhaft. Ich stellte mir vor, nicht nur einmal begehrt zu werden, sondern mehrfach — unterschiedlich, parallel, körperlich und emotional auf verschiedenen Ebenen.


7. Polygamie, aber aus meiner Position

Das ist keine Polyamorie, weil nicht alle voneinander wissen und niemand gemeinsam an einem Tisch sitzt. Es ist auch keine Polygamie im rechtlichen Sinn. Aber aus meiner Position heraus fühlt es sich wie eine 1-zu-N-Struktur an: eine freie Frau, mehrere mögliche Männer, mehrere Geliebtenräume. Ich weiß, dass das heimlich, organisatorisch schwierig und moralisch nicht glatt ist — aber der Gedanke bleibt reizvoll.

8. Die Logistik der Heimlichkeit

Zwei Männer bedeuten nicht nur doppelte Aufmerksamkeit. Sie bedeuten auch Kalender, Orte, Ausreden, unterschiedliche Räume und klare Trennung. Wo treffe ich den einen, wo den anderen? Wer bekommt welches Stück Alltag, welches Café, welches Kino, welches Bett? Plötzlich wird Begehren zur Planung.


9. Konrad bekommt kalte Füße

Konrad schaffte den Schritt aus der Fantasie nicht. Er war neugierig, erregt, interessiert, vielleicht sogar berührt — aber als aus Schreiben und Bildern ein reales Treffen werden sollte, wurde es ihm zu viel. Das enttäuscht mich, aber es ist keine Niederlage. Das rote Tuch hat nicht funktioniert; der Stier blieb stehen.

10. Was Konrad mir trotzdem gezeigt hat

Konrad hat mir gezeigt, wie schnell eine Geliebtenrolle lebendig werden kann. Ein gebundener Mann, eine Ehe im Hintergrund, sexuelle Spannung, Diskretion, Bilder, Fantasie, konkrete Termine — plötzlich war alles nicht mehr theoretisch. Und er hat mir auch gezeigt, dass nicht jeder Mann, der sich an meiner Offenheit wärmt, bereit ist, mir wirklich zu begegnen. Das liegt nicht an mir.


Sarah Jessica Mewes steht eng neben Jakob auf einer Dachterrasse über Köln. Beide blicken in die Kamera; hinter ihnen liegen Dom, Rhein und Colonius im Abendlicht.

11. Jakob bleibt

Nachdem Konrad weg war, fiel ich nicht ins Bodenlose. Jakob war noch da. Nicht als Trostpreis, sondern als eigene Möglichkeit. Gerade seine kleinen Nachrichten, seine Küsse, seine Nachfrage nach meinem Leben und seine ruhige Art machten ihn im Moment interessant.

12. Der Gedanke bleibt

Dass Konrad gegangen ist, tötete den Polygamiegedanken nicht. Es spiegelte ihn nur an der Realität. Wenn wieder ein Mann kommt, der gut schreibt, über sich sprechen kann, mir zuhört und mich begehrt, werde ich auch mit ihm schreiben. Solange mich niemand wirklich gewählt hat, bin ich frei.


Sarah Jessica Mewes steht allein auf einer Kölner Dachterrasse, burgunderfarbenes Samtkleid mit Beinschlitz, schwarzes Halsband, Kölner Dom und Rhein im Abendhimmel dahinter.

13. Und dann geht auch Jakob

Dann verabschiedete sich auch Jakob aus dieser Möglichkeit. Nicht böse, nicht respektlos, nicht verletzend, sondern ehrlich. Er konnte sich nicht vorstellen, mit mir körperlich zu werden. Und genau dort lag der Punkt: Ich suche in dieser Geschichte keinen weiteren Freund, der mich nett findet, sondern einen Mann, der mich begehrt.

14. Freundschaft ist nicht das Ziel dieses Textes

Freundschaft ist wertvoll, aber sie ersetzt nicht die Rolle, um die es hier geht. Ich wollte Geliebte sein, Mätresse, Frau in einem körperlichen, heimlichen, vielleicht komplizierten Raum. Wenn ein Mann mir sagt, dass er mich menschlich mag, aber körperlich nicht gehen kann, dann ist das eine ehrliche Grenze. Aber es ist nicht die Tür, durch die ich in diesem Text gehen wollte.


15. Was ich daraus mache

Ich bin nicht das, was mir geschieht. Ich bin das, was ich daraus mache. Aus Konrads kalten Füßen mache ich keine Selbstanklage. Aus Jakobs Wärme mache ich keine Garantie, und aus seinem Abschied keine Entwertung. Der Gedanke, Geliebte zu sein — vielleicht sogar mehr als einmal — ist nicht tot, nur weil zwei Männer den Schritt in die Realität nicht gegangen sind. Er ist jetzt weniger romantisch, weniger schwebend, aber klarer: Ich will begehrt werden, nicht nur verstanden.


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