Niemals im Brautkleid zum ersten Date


Sarah Jessica Mewes in elegantem Kleid, nachdenklicher Blick – Beitragsbild zum Text Niemals im Brautkleid zum ersten Date

Was passiert eigentlich, wenn zwei Menschen vor einer Standesbeamtin stehen und „Ja, ich will“ sagen?

Diese Frage klingt erst einmal nüchtern. Vielleicht sogar unromantisch. Aber genau da möchte ich beginnen. Nicht beim Ring. Nicht beim Kleid. Nicht beim Blumenstrauß. Nicht bei der Musik. Sondern bei dem, was dieser Satz vor dem Gesetz bedeutet.

Denn vor dem Standesamt sagen zwei Menschen nicht nur: „Ich liebe dich.“ Sie sagen auch: „Ab jetzt sind wir rechtlich füreinander verantwortlich.“ Aus zwei einzelnen Personen werden Ehegatt:innen. Es entsteht ein neuer Familienstand, mit Rechten, Pflichten, Zuständigkeiten und Folgen. Ehe ist nicht nur Gefühl. Ehe ist auch ein Status. Ein öffentliches Bekenntnis. Eine rechtliche Ordnung für etwas, das hoffentlich längst innerlich gewachsen ist.

Vielleicht ist genau das der Punkt, an dem es für mich interessant wird.


Ich war in meinem Vorleben dreimal verheiratet. Und ich wurde dreimal geschieden.

Das schreibe ich nicht stolz. Ich schreibe es aber auch nicht verschämt. Es ist Teil meines Lebens. Ob das unmittelbar mit meinem trans Sein zu tun hatte, lasse ich dahingestellt. Ich könnte es als Erklärung heranziehen. Ich könnte sagen: Da war etwas in mir ungeklärt, da war ein Leben, das nicht stimmte, da waren Rollen, Erwartungen, Fluchtbewegungen. Aber ganz ehrlich: Ich glaube nicht, dass diese Erklärung wirklich passt. Jedenfalls nicht als Entschuldigung.

Denn wenn ich wirklich ehrlich bin, dann war das Muster ein anderes.

Es war immer eine andere Frau im Spiel. Bei allen drei Ehen. Das ist kein Unglück. Das ist kein Versehen. Das ist ein Muster. Und das Benennen dieses Musters ist schmerzhafter als jede bequeme Erklärung über Identität oder Transition. Meine Ex-Frauen waren nicht schuld daran, dass es auseinandergegangen ist. Ganz im Gegenteil.

Meine erste Ehe war eine Jugendliebe. Wir waren insgesamt vierzehn Jahre zusammen, davon sieben Jahre verheiratet. Zweimal das verflixt siebte Jahr, nur anders genutzt. Diese Ehe hat sich auseinandergelebt. Das passiert. Aber mein unredliches Verhalten hat dazu beigetragen.

Mit meiner zweiten Ehefrau stehe ich heute noch in losem Kontakt. Sie ist inzwischen wieder verheiratet, und ihr heutiger Mann ist ein ganz toller Kerl. Das freut mich ehrlich. Wir werden diesen Kontakt sicher noch einmal wiederholen und am Leben halten. Sie ist auch diejenige, die regelmäßig mit meiner Mutter telefoniert, mindestens einmal im Jahr. Das finde ich schön. Da ist nichts mehr offen, was bitter sein müsste.

Und meine dritte Ehefrau ist die Mutter meiner Kinder.

Wenn ich also ehrlich bin: Ehe Nummer eins hat sich auseinandergelebt. Ehe Nummer zwei habe ich vergeigt. Ehe Nummer drei genauso. Ich habe mich unredlich verhalten. Punkt. Das muss ich nicht weiter ausdiskutieren, nicht weichzeichnen und nicht in ein psychologisches Märchen verwandeln.

Ich habe meine Ehen in die Tonne getreten. Für nichts, am Ende des Tages.

Das ist ein harter Satz. Aber er stimmt für mich. Und er tut mir leid. Nicht weil ich mich in Selbstmitleid suhlen möchte, sondern weil die Erkenntnis zu spät kam. Diese Erkenntnisse kann ich nicht rückgängig machen. Was ich aber tun kann: Ich hafte nicht mit meinen Gedanken in der Vergangenheit. Ich bin nicht das, was mir passiert ist. Ich bin auch nicht das, was ich getan habe. Ich bin die Person, die ich aus diesem Leben gelernt habe. Mein Kopf zeigt nach vorne. Nicht weil die Vergangenheit egal wäre, sondern weil das alte Bild sich nicht mehr ändern lässt.


Heute weiß ich mehr.

Ich weiß mehr über Ehe. Ich weiß mehr über Verantwortung. Ich weiß mehr über rote Flaggen. Und ich weiß vor allem mehr über mich.

Ein Mensch wie mein früheres männlich markiertes Ich käme mir heute nicht ins Schlafzimmer. Auf gar keinen Fall. Und schon gar nicht an einen Ehering.

Das klingt vielleicht hart. Aber es ist kein Selbsthass. Es ist Erkenntnis. Ich will meine Transition nicht vorschieben, um mein damaliges Verhalten zu entschuldigen. Auch wenn ein Mensch mit sich ringt, bleibt er für seine Entscheidungen verantwortlich. Ich hätte trotzdem klarer, ehrlicher und anständiger handeln müssen.

Heute würde ich anders prüfen. Härter vielleicht. Nicht liebloser, aber klarer. Wenn ich mein altes Ich in einem Partnermenschen wiedererkennen würde, käme mir das nicht in die Tüte. Ich kenne diese roten Flaggen inzwischen zu gut. Ich weiß, wie charmant sie manchmal verpackt sind. Ich weiß, wie leicht man sich etwas schönredet, wenn man geliebt werden will. Und ich weiß, wie teuer es wird, wenn man die falschen Dinge ignoriert.


Es gab eine Zeit, in der mir das Wort Zuständigkeit noch nicht so klar war. Das hat sich geändert.

In einer der letzten Beziehungen vor meiner Transition war meine damalige Partnerin einmal wirklich, wirklich angeschlagen. Und ich habe mich zuständig gefühlt. Ich habe ihren Alltag übernommen, damit sie sich erholen konnte. Nicht aus Pflicht. Aus Liebe. Irgendwann gab es einen Termin mit ihr und ihrer Psychologin. Ich saß dabei. Und die Psychologin sah mich an — nicht mit Bewertung, sondern mit einer Art stiller Anerkennung. Ich habe es in ihren Augen gelesen. Und in diesem Moment, in dieser kleinen, unausgesprochenen Geste, habe ich mich tiefer in meine Partnerin verliebt als je zuvor.

Nicht wegen des Gefühls. Sondern wegen der Tatsache, dass ich wusste: Das hier ist mehr als Begehren. Das hier ist Zuständigkeit.

Ehe ist für mich die Kirsche auf dem Sahnehäubchen einer Beziehung. Oder das Krönchen auf dem Törtchen. Aber eben nicht der Kuchen selbst. Der Kuchen ist das Kennenlernen. Der Rausch am Anfang. Das Sich-anschmachten. Das Nicht-aus-dem-Bett-Kommen. Die rosaroten Wolken. Und dann der Moment, in dem diese Wolken langsam wegziehen und der Alltag einzieht.

Erst dann wird es interessant.

Denn wenn der erste Rausch vorbei ist, zeigt sich, ob eine Beziehung wirklich tragen kann. Ich glaube sogar, dass man dann erst richtig verliebt ist. Nicht mehr nur in die Projektion, nicht mehr nur in das Begehren, nicht mehr nur in die Möglichkeit. Sondern in den Menschen, der morgens müde ist, eigene Macken hat, eigene Termine, eigene Geschichte, eigene Grenzen. Wenn dann immer noch Liebe da ist, dann wird es ernst.

Und wenn es ernst wird, dann möchte ich nicht ewig „feste Freundin“ sein.


Ich bin 56. Wenn irgendwann ein Partnermensch wirklich in mein Leben kommt, dann ist das nicht mein Freundchen, nicht meine feste Freundin, nicht meine Lebensgefährtin. Diese Wörter fühlen sich für mich falsch an. Zu klein. Zu ausweichend. Zu sehr nach Verwaltungsdeutsch oder Jugendzimmer.

Wenn ich mit einem Menschen wirklich verbunden bin, dann möchte ich sagen können: Das ist mein Mann. Das ist meine Frau. Das ist mein Mensch. Und ich möchte umgekehrt genauso benannt werden.

Ich möchte nicht versteckt werden. Ich möchte nicht mit einem erklärenden Nebensatz irgendwo am Rand stehen. Ich möchte nicht privat geliebt und öffentlich halb verschluckt werden. Wenn ich zu einem Menschen gehöre, dann möchte ich auch als die Frau dieses Menschen erkennbar sein.

Vielleicht ist das altmodisch. Vielleicht ist es auch einfach ehrlich.

Gerade als trans Frau ist öffentliche Anerkennung nicht nebensächlich. Ich bin jetzt schon Frau. Die Operation macht mich nicht erst zur Frau. Das ist für mich nicht verhandelbar. Aber ich weiß, dass andere Menschen mit Körpern, Geschichten, alten Bildern im Kopf ringen können. Das verstehe ich. Was ich nicht akzeptiere, ist eine Partnerperson, die mich privat liebt und öffentlich relativiert. Trans sein ist recht speziell, ja. Aber gerade deshalb brauche ich auf der anderen Seite Normalität und Rückgrat.

Nicht: „Das ist Sarah, aber …“

Sondern: „Das ist Sarah. Das ist meine Frau. Wisst ihr Bescheid.“


Und jetzt kommen wir zu dem Wort, das für mich alles trägt.

Zuständigkeit.

Wenn mein Partnermensch krank wird, möchte ich nicht draußen stehen, während irgendeine Herkunftsfamilie entscheidet. Wenn wir zehn oder zwanzig Jahre zusammenleben und dann passiert etwas, möchte ich nicht plötzlich feststellen, dass Brüder, Schwestern oder Kinder über Dinge bestimmen, die unser gemeinsames Leben betreffen, während ich rechtlich kaum vorkomme.

Natürlich kann man vieles notariell regeln. Vorsorgevollmacht, Patientenverfügung, Testament. Das ist alles möglich und oft sinnvoll. Aber Ehe sagt etwas einfacher und unmittelbarer: Du bist zuständig. In guten wie in schlechten Zeiten. Nicht nur, wenn es schön ist. Gerade dann, wenn es schwierig wird.

Wenn ein Mensch mich fragt, ob ich ihn heiraten möchte, dann höre ich darin nicht nur: „Ich liebe dich.“ Ich höre auch: „Ich vertraue dir mein Leben an. Ich möchte, dass du die Person bist, die sich kümmert, wenn mir etwas passiert.“ Und wenn ich Ja sage, sage ich genau dasselbe zurück.

Das ist groß. Das ist nicht nur romantisch. Das ist fast erschreckend groß.


Darum muss ein Partnermensch ehefähig mit mir sein. Nicht perfekt. Perfektion interessiert mich nicht. Aber beziehungsfähig. Verantwortungsfähig. Zugänglich.

Freundlich muss dieser Mensch sein. Unser Humor muss eine Wellenlinie haben. Ich muss nicht pausenlos zum Lachen gebracht werden, aber ich möchte spüren, dass wir auf einer ähnlichen Frequenz schwingen.

Wichtig ist: Ein Partnermensch muss verstehen, dass „Wir müssen reden“ keine Kriegserklärung ist. Es kann Beziehungsarbeit sein, getragen von einem sehr starken „Ich liebe dich“. Wenn ein Mensch bei jedem ernsten Gespräch innerlich die Zugbrücke hochzieht, wird es schwierig. Denn die Wahrheit liegt ineinander. Nicht im Gegeneinander.

Ich wünsche mir jemanden, der selbst denkt. Jemanden, der aus sich heraus Vorschläge macht. Ich wäre wahrscheinlich völlig überrascht, wenn mich ein Partnermensch anrufen würde und sagt: „Baby, mach dich schick, wir gehen heute Abend essen. Ich habe alles organisiert.“ Ich müsste nichts planen. Nichts retten. Nichts hinterhertragen. Einfach nur da sein.

Das wäre für mich eine ganz große grüne Flagge.

Ich habe nichts gegen Aufgabenteilung in einer Beziehung. Im Gegenteil. Menschen bringen unterschiedliche Fähigkeiten mit. Das Problem beginnt dort, wo ich nicht Partnerperson bin, sondern Mutter. Managerin. Erinnerungsdienst. Organisationsbüro. Emotionales Servicecenter.

Ich bin die Partnerperson einer Partnerperson. Nicht die Mutter.


Ehe darf aber auch kein Käfig sein.

Ein gutes Wir besteht aus zwei Ichs.

Auch in einer Ehe bleiben zwei Menschen zwei Individuen. Mit eigenen Lebensplänen, eigenen Hobbys, eigenem Tempo, eigenen Räumen. Freiheit ist wichtig. Aber Freiheit allein reicht nicht. Wer Beziehung will, muss aktiv Platz schaffen.

Da ist zum Beispiel Toastmasters. Ich bin dort aktiv, manchmal in einer Funktion, die mich braucht. Wenn ich einmal im Jahr eine Bitte habe — ein Samstag, eine Aufgabe, mich begleiten, mich unterstützen — dann sollte das möglich sein. Ich habe dieses Gespräch geführt. Ich habe gesagt: Es tut mir leid, ich liebe dich, aber so geht es nicht. Wenn ich dich in diesem Bereich nie um Unterstützung bitten kann, dann bist du für diesen Teil meines Lebens raus. Und das ist schade, weil ich dich ja dabeihaben will.

Umgekehrt begleite ich gerne, wenn ein Partnermensch sonntags Hunde von Tierheim zu Tierheim transportiert, von Kiel bis zum Bodensee oder wohin auch immer. Ich könnte sonntags auch zu Hause bleiben, ungesund essen, schlechte Filme schauen und mich nicht bewegen. Aber ich fahre gerne mit, weil ich sehe, wie dieser Mensch fährt, wie er sich kümmert, was für ein Mensch er ist. Und das macht mich stolz.

Genau darum geht es.

Man muss nicht aneinanderkleben. Es muss sogar Zeiten geben, in denen man mit der anderen Nase nichts zu tun hat. Damit man sich wieder freut, mit dieser Nase etwas zu tun zu haben. Aber das Leben der anderen Person darf nicht fremdes Ausland bleiben.

Und Intimität gehört dazu. Nicht als Bonus. Nicht als schöne Zugabe. Als Teil gelebter Beziehung. Sexualität verändert sich mit dem Alter — das ist keine Katastrophe, sondern Realität. Was nicht aufhören darf, ist die Bereitschaft, nah zu sein. Zu begehren und begehrt zu werden. Das Gespräch darüber. Die Offenheit. Die Neugier.


Es gibt derzeit zwei Männer in meinem Leben, die auf unterschiedliche Weise eine Rolle spielen. Mit keinem bin ich in einer Beziehung. Aber beide lassen mich konkret über die Frage nachdenken, über die ich hier schreibe.

Bei dem einen spüre ich, dass meine bevorstehende Operation für ihn etwas bewegt. Viele aus seinem Umfeld kennen mich noch aus der Zeit vor meiner Transition. Das ist nicht ausgesprochen, aber ich könnte es nachvollziehen.

Der andere akzeptiert mich, wie ich bin. Er ist Teil meines Unterstützungsteams, fährt mich ins Krankenhaus und holt mich wieder ab. Von ihm kam aus dem Nichts die Einladung, einen gemeinsamen Urlaub zu wiederholen. Ich bin mit dieser Einladung monatelang schwanger gegangen. Erst als mein OP-Termin dreifach bestätigt war, konnte ich zusagen. Für 2027. Ich habe ihm eine E-Mail geschrieben, die von einem unausgesprochenen „Ich liebe dich“ getragen war.

Beide denke ich mit. Bei einer von beiden würde ich wahrscheinlich sofort Ja sagen, wenn die Zeit reif wäre. Bei dem anderen weiß ich es noch nicht.


Apropos Familie.

Meine Mutter wird dieses Jahr 85. Vor meiner Transition haben wir nie über solche Dinge gesprochen. Jetzt sitzen wir da und reden über mögliche Männer in meinem Leben.

Sie war nie wirklich für meine Transition. Das verstehe ich. Fünfundfünfzig Jahre hatte sie einen Sohn. Dann waren fünf Jahre, in denen wir uns nicht gesehen haben. Das hinterlässt Spuren. Meinen Namen nennt sie noch nicht so, wie ich ihn trage. Aber sie flechtet mir die Haare, wenn sie findet, dass sie nicht richtig sitzen.

Das ist mehr, als viele Familien von Transitionierenden bekommen.

Am Wochenende, als das Thema auf die Männer kam, hat sie mir einfach Glück gewünscht. Und gesagt: „Drum prüfe, wer sich ewig bindet.“ Genau das habe ich ihr auch gesagt: Eine Entscheidung für einen von beiden müsste für mich finaler sein als meine drei bisherigen Ehen zusammen.

Wenn ich mit jemandem zusammenkomme, dann gehört irgendwann auch Familie dazu. Ganz normal. Schwestern, Brüder, Freundeskreis. Und ich erwarte, dass ich genauso selbstverständlich eingeführt werde, wie ich diesen Menschen in mein Leben einführen würde.

Ohne Herumdrucksen.


Dann wäre da noch der Antrag.

Ich brauche keinen großen Hochzeitsantrag. Flashmobs, Inszenierungen, Familien, Musik, Ring, alle weinen — das kann schön sein. Ich würde es mir gerne ansehen. Aber die Person sollte sehr sicher sein.

Wenn eine Beziehung nicht wirklich funktioniert, wenn „Wir müssen reden“ nicht wertgeschätzt wird, wenn die Substanz fehlt — dann würde ich auch in der größten Antragssituation Nein sagen. So einfach ist das.

Romantik darf mich berühren. Aber nicht überreden.

Schöner wäre für mich wahrscheinlich ein anderer Moment. Einer, der überraschend kommt. Vielleicht beim Essen, mitten in einem klugen, spielerischen Streit über Ehe, und plötzlich liegt ein Ring beim Dessert. Oder ganz schlicht im Alltag: ein tiefer Blick, ein kleiner Monolog aus dem Bauch heraus, und dann diese Frage.

Der Antrag darf überraschend sein. Die Beziehung nicht.


Ich bin nicht auf Brautschau. Nicht auf Bräutigamschau. Ich laufe nicht mit einem unsichtbaren Ringmaßband durch die Welt. Ich bin ich. Verletzlich. Präsent. Hoffentlich sichtbar genug, dass ein Mensch aufmerksam wird.

Eine Beziehung führen? Ja, gerne. Liebe erleben? Ja, gerne. Begehren und begehrt werden? Unbedingt. Aber ob daraus Ehe wird, darüber denke ich erst nach, wenn der rosarote Schleier gefallen ist und der Alltag gezeigt hat, ob wir wirklich tragen.

Vielleicht werde ich nie wieder heiraten.

Vielleicht passiert es doch.

Aber wenn es passiert, dann nicht weil ich vergessen habe, was war. Sondern weil ich es nicht vergessen habe. Weil ich heute genauer weiß, was Ehe bedeuten kann. Weil ich weiß, was ich falsch gemacht habe. Weil ich weiß, welche roten Flaggen ich nicht mehr übersehen will. Weil ich weiß, dass Freiheit und Zuständigkeit kein Widerspruch sind. Weil ich weiß, dass Liebe nicht nur im Rausch lebt, sondern im Alltag bestehen muss.

Und weil ich trotz allem noch immer an dieses eine klare, einfache, gefährliche, schöne Wort glauben kann.

Ja.


Ich kann nur für mich sprechen. Nicht für alle Frauen. Nicht für alle geschiedenen Menschen. Nicht für alle trans Menschen. Nicht für alle, die Ehe ablehnen oder lieben oder nie wieder in Betracht ziehen. Ich verstehe, wenn Menschen nach gescheiterten Ehen sagen: Nie wieder. Ich verstehe den Schmerz. Ich verstehe die Angst. Ich verstehe den Wunsch, sich nicht noch einmal so verletzlich zu machen.

Aber ich ticke anders.

Für mich ist Ehe nicht unauflöslich. Man kann sich trennen. Man kann sich scheiden lassen. Es kostet Geld, Nerven und Würde, aber es geht. Gerade deshalb ist Ehe für mich kein Gefängnis. Sie ist ein bewusstes Bekenntnis. Ein rechtlicher, sozialer und emotionaler Satz:

Du bist gemeint.

Du bist nicht zufällig hier. Du bist nicht nur schön für gute Tage. Du bist mein Mensch. Und ich bin deiner.

Erstens, ich kann nur für mich sprechen.

Zweitens, ja, ich will.


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